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Bundeskriminalamt legt Bundeslagebild 2024 vor: Neuer Höchststand bei Gewalt gegen Einsatzkräfte

Symbolfoto: Pfalz-Express

Die Gewalt gegen Polizeibeamte in Deutschland bleibt auf einem alarmierend hohen Niveau. Wie aus dem Bundeslagebild „Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte 2024“ hervorgeht, das das Bundeskriminalamt (BKA) jetzt veröffentlicht hat, wurden im Jahr 2024 insgesamt 46.367 Gewalttaten gegen Polizisten registriert.

Damit stieg die Zahl der Fälle gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,3 Prozent.

Langfristig ist der Trend deutlich: Seit 2015 haben Gewalttaten gegen Vollzugsbeamte um 38,5 Prozent zugenommen. Noch stärker wuchs die Zahl der Betroffenen selbst. Sie stieg im gleichen Zeitraum um 67,2 Prozent. Im Jahr 2024 wurden bundesweit 106.875 Polizisten Opfer einer gegen sie gerichteten Gewalttat. Das sind 1.167 Betroffene mehr als im Jahr 2023, was einem Anstieg von 1,1 Prozent entspricht.

Auch andere Einsatzkräfte geraten zunehmend ins Visier. Bei Gewalttaten gegen sonstige Rettungskräfte – dazu zählen insbesondere Beschäftigte von Rettungsdiensten und dem Technischen Hilfswerk (THW) – wurden 2.916 Opfer erfasst. Damit verzeichnete das BKA den höchsten Wert seit 2018.

Bundesinnenminister Dobrindt warnt vor Respektverlust

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht in den Zahlen ein deutliches Warnsignal:
„Die Zahlen aus dem Lagebild sprechen eine klare Sprache. Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte ist längst kein Ausnahmefall mehr, sondern gehört für viele leider zum Alltag. Wenn jedes Jahr zehntausende Angriffe gezählt werden und über hunderttausend Einsatzkräfte betroffen sind, dann zeigt das: Respekt und Rücksicht gehen zunehmend verloren. Wer diejenigen angreift, die helfen, schützen und retten, greift unseren Rechtsstaat an.“

Dobrindt kündigte an, Einsatzkräfte künftig besser zu schützen. Gemeinsam mit Justizministerin Stephanie Hubig (SPD) wolle man ein Gesetz auf den Weg bringen, das Strafen verschärft, Verfahren beschleunigt und die Sicherheit der Einsatzkräfte im täglichen Dienst spürbar stärkt.

Widerstand und Bedrohungen dominieren

Von den Polizeibeamten, die 2024 Opfer von Gewalt wurden, waren 87,0 Prozent von Widerstandshandlungen und tätlichen Angriffen betroffen. Den stärksten prozentualen Zuwachs innerhalb der Gewalttaten verzeichnete der Bereich Bedrohung mit einem Plus von 2,1 Prozent. Die Zahl der Bedrohungsfälle stieg von 3.851 im Jahr 2023 auf 3.933 Fälle im Jahr 2024.

Besonders hoch ist das Gewaltniveau in Großstädten. Obwohl in Städten mit 500.000 und mehr Einwohnern lediglich 17,5 Prozent der bundesweiten Bevölkerung leben, ereigneten sich dort 31,1 Prozent aller im Jahr 2024 erfassten Gewalttaten mit betroffenen Polizeibeamten. Im Jahr 2023 lag dieser Anteil noch bei 30,2 Prozent.

Rückgänge bei Körperverletzungsdelikten

Bei schweren Delikten zeigt sich hingegen eine leichte Entspannung. Die Fallzahlen der gefährlichen und schweren Körperverletzung stagnierten nahezu und gingen um 0,2 Prozent zurück, von 1.260 Fällen im Jahr 2023 auf 1.258 Fälle im Jahr 2024. Deutlicher fiel der Rückgang bei der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung aus: Hier sank die Zahl der Fälle um 4,2 Prozent auf 922 Fälle (2023: 962 Fälle).

Die Zahl der Tötungsdelikte gegen Polizeibeamte ging von 40 im Jahr 2023 auf 34 im Jahr 2024 zurück. In 33 Fällen blieb es beim Versuch. Bei dem einen „vollendeten Delikt“ handele es sich um den Mord an dem Polizeibeamten Rouven Laur [1] in Mannheim.

Tatverdächtige meist männlich und polizeibekannt

Auch die Zahl der Tatverdächtigen bei Gewalttaten gegen Polizeibeamte ging leicht zurück. Im Jahr 2024 wurden 38.212 Tatverdächtige erfasst, das sind 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr (2023: 38.630).

Die Tatverdächtigen waren überwiegend männlich (83,1 Prozent) und über 25 Jahre alt (75,0 Prozent). In den meisten Fällen handelten sie allein (95,9 Prozent). 75,8 Prozent waren der Polizei bereits bekannt, und 48,6 Prozent standen zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss.

Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen (also ohne deutschen Pass, Anm. d. Red.) stieg von 33,6 Prozent im Jahr 2023 auf 34,9 Prozent im Jahr 2024.

Messerangriffe gegen Einsatzkräfte weiterhin selten

Ein Messerangriff lag in 401 Fällen der versuchten und vollendeten Gewalttaten gegen Polizeibeamte vor. Der Anteil von Gewalttaten mit dem Tatmittel Messer betrug 0,9 Prozent.

Zahlen bei Feuerwehr und Rettungsdiensten nahezu konstant

Das Bundeslagebild enthält auch Daten zu Gewalt gegen Feuerwehr- und Rettungskräfte. Bei der Feuerwehr wurden 683 Fälle registriert, ein Rückgang um 0,6 Prozent, mit insgesamt 1.012 Opfern, was einem Minus von 5,3 Prozent entspricht. Bei den sonstigen Rettungskräften wurden 2.042 Fälle erfasst (-0,4 Prozent).

Mit 2.916 Opfern bei den sonstigen Rettungskräften wurde trotz des nur leichten Anstiegs von 0,5 Prozent der höchste Wert seit 2018 erreicht.

Das vollständige Bundeslagebild ist online abrufbar unter:
www.bka.de/BLB-Gewalt-gg-Polizei2024 [2]

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