
Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile.
Foto: Markus Ahr/Stadt Germersheim
Germersheim – Am 6. April 2025 wählen die Bürger der der Stadt Germersheim den hauptamtlichen Bürgermeister. Marcus Schaile (CDU), der seit 2010 als Bürgermeister an der Spitze der Stadt steht, tritt erneut zur Wahl für eine dritte Amtszeit an. Er ist der einzige Kandidat.
Im Kurz-Interview mit dem Pfalz-Express zieht er eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit und gibt einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen.
PEX: Sie sind jetzt seit 2010 Bürgermeister in Germersheim. Welche wichtigen Projekte konnten Sie in den letzten 16 Jahren umsetzen, und welche stehen in den nächsten Jahren noch an?
Schaile: Es gab viele wichtige Projekte und darunter auch zahlreiche Höhepunkte. Manche Bauvorhaben wurden zu Herausforderungen, die es zu bewältigen galt. Doch auch, wenn ein Projekt von der Planung bis zur Realisierung auch schon mal länger oder viel länger dauerte, konnten wir es immer erfolgreich abschließen.
Die Konversion militärischer Gebäude hin zu einer zivilen Nutzung war sicherlich eine unserer größten und langwierigsten Aufgaben, mit denen sich auch schon meine Vorgänger beschäftigt hatten. Als sich die Bundeswehr vor rund 28 Jahren aus allen Festungsgebäuden zurückzog und wir die einmalige Chance erhielten, die betreffenden Gebäude zu erwerben, begannen wir mit den Rahmenplanungen und anschließend mit den erforderlichen Umbaumaßnahmen. So konnten wir beispielsweise in 2013 unser Tourismus-, Kultur- und Besucherzentrum im Weißenburger Tor eröffnen und in 2018 die Einweihung des Fachmarktzentrums (FMZ) in der Stadtkaserne zusammen mit der Fertigstellung des neuen Paradeplatzes feiern.
Da Wohnraum in Germersheim aus einer Vielzahl von Gründen knapp wird, setzten wir alles daran, diesem Zustand entgegen zu wirken. Mit der Eröffnung der Stadtkaserne entstanden im 1.OG insgesamt 19 Wohnungen, zeitgleich begannen die ersten Bauarbeiten zum „Karls Quartier“ in der ehemaligen ebenfalls denkmalgeschützten Stengelkaserne. Hier entstanden 85 Wohnungen und auf dem Gelände zusätzlich 89 neue Wohneinheiten. Auf dem ehemaligen Lidl-Gelände am Ludwigsring wurden Mehrfamilienhäuser gebaut und insgesamt 70 neue Wohnungen geschaffen.
Weiterer Wohnraum ist bereits in Planung. So sollen im Werftquartier direkt am Rhein, auf dem ehemaligen Gelände der Alten Schiffswerft, insgesamt rund 300 neue Wohnungen entstehen und im neu ausgewiesenen Westheimer Neuland in der Ludwig-Erhard-Straße an der B9, werden demnächst 100 Bauplätze für Einfamilien-, Reihen- oder Doppelhäuser zur Verfügung stehen.
Im Rahmen unseres umfassenden Straßenausbauprogramms sind wir seit einigen Jahren dabei, die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen. Wir werden Straßen, die Schäden vorweisen, ausbessern bzw. erneuern und weitere Maßnahmen ergreifen, dort wo es für die Verkehrslage und Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer dringend erforderlich ist.
Im Zuge des erfolgreichen Straßenausbaus „An der Hochschule“ hatten wir z.B. auch einen neuen Kreisel an der Kreuzung Zeppelinstraße/Orffstraße gebaut. Den 1. Bauabschnitt in der Klosterstraße an Fronte Beckers bis zur Queichbrücke haben wir fast abgeschlossen. Mit dem zweiten Bauabschnitt von der Queichbrücke bis zur Fronte Karl werden wir voraussichtlich ab 2026 beginnen.
Im Stadtteil Sondernheim haben wir neben der Neugestaltung des Rathausplatzes u.a. auch die Tulla Halle renoviert. Demnächst folgen entsprechende Baumaßnahmen, um einen sicheren Schulweg zur Tulla-Schule zu gewährleisten. Hierbei werden in der Feldstraße und Kirchstraße Aufplasterungen der Straße notwendig, um den Verkehr in diesem Bereich zu verlangsamen.
Es ist uns gelungen, den Freizeitwert in Germersheim, sei es durch die Umgestaltung des Naherholungsgebietes oder des Rheinvorlandes sowie den barrierefreien Ausbau des Leinpfads, enorm zu steigern. Die Besucherströme, insbesondere davon viele Radtouristen, geben uns recht. Hocherfreut bin ich mit der Umgestaltung des Naherholungsgebietes, das u.a. jetzt über große Spielflächen, Badebuchten, Grillmöglichkeiten und einen tollen Abenteuerspielplatz verfügt und auch mit der Umgestaltung am Rheinvorlandes bin ich sehr zufrieden.
Neben einem großen Spielplatz, einer Aussichtsplattform und einer Liegewiese, haben wir gerade vor Kurzem eine Calisthenics-Anlage aufgebaut, die wir im Mai freigeben können. Danach kann jeder nach Lust und Laune, vom Anfänger bis zum Profi sein tägliches Workout, wie etwa Liegestützte und Klimmzüge, an der frischen Luft absolvieren. Hinzukommen wird in diesem Jahr endlich der von allen sehnsüchtig erwartete Pavillon mit Gastronomieangebot.
Da mir Inklusion wirklich sehr am Herzen liegt und ich seit Jahren dafür brenne, einen Spielplatz für alle bauen zu lassen, auf dem Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam und gleichberechtigt miteinander spielen können, freue ich mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahr mit dem Bau eines Inklusionsspielplatzes im Stadtpark Fronte Lamotte beginnen konnten und daher die Eröffnung bereits in diesen Sommer stattfinden wird.
Aufgrund von dringend benötigten Klassenräumen oder etwa einer Mensa, planen wir derzeit Erweiterungen der Geschwister-Scholl-Grundschule und der Tulla-Schule. Ebenfalls vorgesehen sind Erweiterungen, Umbaumaßnahmen und auch der Bau neuer Kindertagesstätten in Germersheim und Sondernheim, um den steigenden Bedarf an Kita-Plätzen zu decken. Zurückliegende Umbaumaßnahmen betrafen u.a. den städt. Hort „Zeppelin“ vor seiner Eröffnung sowie zuletzt die Kindertagesstätte „Sterntaler“.
PEX: Es gibt ja schon eine Strategie zur Verbesserung der Innenstadt. Was hat sich da bisher getan und welche Weiterentwicklungen sind in den nächsten Jahren zu erwarten?
Schaile: Es war mir immer ein besonderes Anliegen, ein schönes Einkaufserlebnis mitten in unserer Innenstadt zu schaffen. Mit dem Fachmarktzentrum und seinen attraktiven Geschäften ist uns dies sehr gut gelungen. Neben Büros, Gewerberäumen, einer Apotheke, Arztpraxen und Bildungseinrichtungen, Restaurants wurden auch zusätzlich neue Wohnraum geschaffen, die das Wohnen mitten im Zentrum möglich macht. Zusammen mit der Umgestaltung des Paradeplatzes haben wir der Germersheimer Innenstadt ein neues Gesicht gegeben.
In der Innenstadt, aber auch im ganzen Stadtgebiet und in Sondernheim haben wir schon längere Zeit mit dem barrierefreien Ausbau unserer Bushaltestellen begonnen und größtenteils bereits abgeschlossen.
Mit innovativen Ideen die Innenstadt zu beleben, damit sind wir auf dem richtigen Weg! Großen Zuspruch und daher bestens etabliert, hat sich unser von März bis Oktober stattfindender Feierabendmarkt auf dem Paradeplatz. Der vielfältige Markt mit Livemusik und regionalen Produkten kommt sehr gut an. Aber auch der Weihnachtsmarkt in der Festung, im Hufeisen an Fronte Beckers, ist zu einem Besuchermagneten geworden.
Hinzu kommen zum Beispiel die neuen Innenstadtflohmärkte auf dem Königsplatz, der Trubeltag oder das Foodtruck-Festival, die Bierbörse, der Mittelaltermarkt, die Picknick-Konzerte, der Pfälzer Herbst auf der Duftterrasse des Bürgerhauses, all das sind neben unseren traditionsreichen Festen, wie z.B. dem Germersheimer Festungsfest, der Kumuna, dem Kultursommer, dem Pfingstmarkt, der Sunnemer Kerwe, dem Straßenfest auf dem Kirchenplatz wunderbare Gelegenheiten, wie ich finde, Geselligkeit zu genießen und sich in Germersheim pudelwohl zu fühlen. Wir sind offen für weitere neue Konzepte, diese werden geprüft und gegebenenfalls in unser Programm aufgenommen.
PEX: Was treibt Sie persönlich an, weiterhin als Bürgermeister aktiv zu bleiben?
Die Stadt Germersheim ist meine Geburtsstadt und meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Stadt weiter voran zu bringen und sie stabil in die Zukunft zu führen. Ich möchte noch wichtige Aufgaben ins Rollen bringen und Entscheidungen, die in der letzten Amtsperiode getroffen wurden, etwa zur Stadtentwicklung, zum Ausbau der Kindertagesstätten und Schulen oder auch zu bestimmten Bauprojekten, wie die geplanten Neubaugebiete in der Werftstraße oder im Westheimer Neuland, persönlich weiter begleiten und erfolgreich abschließen. Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, der Wohnungsnot in Germersheim tatkräftig entgegenzuwirken und Investoren nach Germersheim zu holen.
PEX: Was möchten Sie den Lesern sonst noch sagen?
Die Homepage der Stadt Germersheim entwickelt sich immer mehr zur zentralen digitalen Anlaufstelle. Heutzutage ist der Alltagsablauf bei vielen Menschen so eng getaktet, dass die Zeit für einen Behördengang meist fehlt. Umso mehr freut es mich, dass wir unseren Bürgerinnen und Bürgern immer mehr Online-Dienste, und damit rund um die Uhr, anbieten können. Gehen Sie doch einfach mal auf unsere Homepage und informieren Sie sich, was heute schon alles online möglich ist.
Die Stadt Germersheim setzt sich in hohem Maße für den Klimaschutz ein, denn dieser liegt uns allen sehr am Herzen. Das sehen Sie allein daran, dass wir in diesem Bereich personell aufgestockt haben, um alle zukünftigen Anforderungen und Ziele unseres Klimaschutz- und Energiekonzepts umsetzen zu können. Mein persönliches Ziel ist es, Germersheim in Zukunft noch klimaneutraler aufzustellen. Wir sind stolz darauf, dass wir im zurückliegenden Jahr als eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz für die Stadt Germersheim einen Wärmeplan zur CO2- neutralen Wärmeversorgung erarbeitet haben.
Die kommunale Wärmeplanung liefert uns wichtige Anhaltspunkte, wie die Wärmeversorgung in Zukunft für uns in der Stadt aussehen kann. Die Anschaffung von Photovoltaik-Balkonkraftwerken zur Unterstützung der Energiewende halte ich persönlich für eine sehr gute Idee. Die Stadt Germersheim bezuschusst die Anschaffung eines PV-Balkonkraftwerks mit einer einmaligen Förderung in Höhe von 125.- Euro.
Ich bitte Sie, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Wahlen sind ein fundamentales Element der Demokratie. Auch wenn nur ein Kandidat auf dem Stimmzettel steht, ist es wichtig, sich die Möglichkeit nicht entgehen zu lassen, die politische Richtung mitzugestalten.
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