
Wie die Annweilerer ihre Innenstadt wahrnehmen. Engagierte Diskussion und konkrete Vorschläge.
Foto: Hirschmann
Annweiler. Die Neugestaltung der Hauptstraße hat für viele Annweilerer Vorrang. Das wurde beim zweiten Bürgerworkshop am vergangenen Donnerstag im Hohenstaufensaal deutlich.
Mehr als 60 Teilnehmer diskutierten engagiert über die Verkehrssituation in der Trifelsstadt und entwickelten konkrete Vorschläge für eine attraktive und lebenswerte Innenstadt.
Im Mittelpunkt standen mehr Grün, sichere und hindernisfreie Gehwege, eine bessere Verkehrsführung und ausreichend Parkmöglichkeiten für Kunden, Patienten und Besucher. Kontrovers diskutiert wurde insbesondere die künftige Parkraumbewirtschaftung.
Bis zu 15 Millionen Euro für die Innenstadt
Wie bereits berichtet, wurde Annweiler im Juni 2026 in das Bund-Länder-Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung – Nachhaltige Stadt“ aufgenommen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, die historische Innenstadt über etwa zehn Jahre mit einem möglichen Finanzrahmen von bis zu 15 Millionen Euro aufzuwerten. Welche Projekte tatsächlich verwirklicht und in welcher Höhe gefördert werden, entscheidet sich erst im weiteren Planungs- und Bewilligungsverfahren.
Die Ergebnisse der insgesamt drei Bürgerworkshops sollen in die weitere Stadtentwicklungsplanung einfließen.
Carmen Winter: „Das Thema Verkehr brennt den Menschen unter den Nägeln“
Stadtbürgermeisterin Carmen Winter zeigte sich von der Resonanz begeistert: „Annweiler verfügt bereits über eine sehr gute Versorgungslage. Darauf können wir aufbauen.“
Der Workshop habe aber auch deutlich gemacht, wie dringend sich die Bürger Verbesserungen beim innerstädtischen Verkehr wünschen. „Ein umfassendes Verkehrskonzept ist deshalb unverzichtbarer Teil unseres Städtebauprojekts“, betonte Winter.
Auch Verkehrsbeigeordneter Florian Funk zeigte sich beeindruckt von den vielen konstruktiven Vorschlägen zur Neugestaltung der Hauptstraße. Er setzt auf ein Gesamtkonzept, das den Durchgangsverkehr reduziert, die Nahmobilität stärkt und gleichzeitig die Erreichbarkeit der Geschäfte sichert.
Funk will sich weiterhin für kostenlose Parkplätze in der Innenstadt einsetzen. Zugleich müssten zusätzliche Parkmöglichkeiten geschaffen sowie die bestehenden Parkhäuser saniert und erweitert werden.
Und der Erste Beigeordnete, Benjamin Burckschadt, will darauf hinarbeiten, dass vor möglichst jedem Geschäft in der Hauptstraße eine umgrünte Parkinsel für Kurzzeitparker geschaffen wird.
Hauptstraße: Mehr Aufenthaltsqualität, aber keine reine Fußgängerzone
In den Diskussionsgruppen zeichneten sich zahlreiche Gemeinsamkeiten ab: Die Hauptstraße zwischen Flitschberg und Hohenstaufensaal soll grüner, fußgängerfreundlicher und attraktiver für Geschäfte und Gastronomie werden.
Begrünte Aufenthaltsbereiche, Bäume, kleine Haltebuchten und Platz für die Außengastronomie könnten der Straße ein neues Gesicht geben. Eine vollständige Sperrung für den Autoverkehr fand unter den vorgebrachten Vorschlägen dagegen wenig Unterstützung.
Deutlich wurde zugleich, dass sich die unterschiedlichen Interessen nicht immer leicht vereinbaren lassen. Während die einen kostenlose Parkplätze erhalten wollen, sprechen sich andere für Parkgebühren und Anwohnerparkausweise aus. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer darin, dass Kurzzeitparkplätze vor Geschäften, Arztpraxen und Apotheken erhalten bleiben müssen.
Auch sichere Schulwege, bessere Radverkehrsverbindungen und hindernisfreie Gehwege gehören zu den zentralen Forderungen.
Impressionen: Der 2. Bürgerworkshop in Wort und Bild

Verkehrsführung darf kein Stückwerk bleiben. Stadtbürgermeisterin Carmen Winter, Verkehrsbeigeordneter Florian Funk und Sven Dausch, Geschäftsführer der Trifels Gas (v.l.). Für Florian Funk ist entscheidend, dass die verschiedenen Verkehrsinteressen aufeinander abgestimmt werden: weniger Durchgangsverkehr, bessere Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer, aber weiterhin eine gute Erreichbarkeit der Geschäfte. Einzelmaßnahmen allein könnten diese Aufgabe nicht lösen.
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Freie Gehwege statt Hindernisparcours. Manfred Ehm (r.) und Michael Schindler:
Fußgänger dürfen nicht auf die Straße gedrängt werden. Beide sind sich einig: Das fehlende städtische Radwegekonzept ist das eine. Mindestens ebenso wichtig seien aber ordentliche Gehwege. Gerade ältere Menschen mit Rollatoren und Eltern mit Kinderwagen müssten sich sicher und ohne Hindernisse durch die Innenstadt bewegen können. Blumenkübel und Werbeschilder dürften nicht dazu führen, dass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Angesichts der weitgehenden Tempo-30-Regelungen halten sie durchgehend getrennte Radwege in der Innenstadt für schwer realisierbar.
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Parkplätze: kostenlos oder gebührenpflichtig? Die Parkraumbewirtschaftung bleibt ein Streitpunkt. Wie viele Parkplätze braucht die Innenstadt? Soll das Parken kostenlos bleiben oder stärker bewirtschaftet werden? Und wie lässt sich verhindern, dass Dauerparker die Stellplätze vor Geschäften und Praxen blockieren? Die Parkplatzfrage gehört zu den kontrovers diskutierten Themen der künftigen Innenstadtgestaltung.
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Birgit Demmer (Mi. l.) und Verena Kruppenbacher: Sichere Schulwege haben Vorrang Birgit Demmer und Verena Kruppenbacher fordern mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche auf den Schulwegen. Dazu gehören aus ihrer Sicht sichere Radverkehrsverbindungen zu den Schulen und konsequentere Geschwindigkeitskontrollen. Auch stationäre Blitzer bringen sie ins Gespräch.
Bei der Frage, wie viele Parkplätze die Innenstadt benötigt und wie diese genutzt werden sollen, gehen die Meinungen dagegen auseinander.
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Brigitte Escher: Erst die Straße attraktiv machen, dann kommen auch neue Geschäfte.
(v.l.n.r.): Hartmut Hildebrandt, Martin Winter, Brigitte und Ralf Escher.
Brigitte Escher verbindet mit der Neugestaltung der Hauptstraße große Hoffnungen für den örtlichen Einzelhandel. Eine schönere Hauptstraße könnte neues Leben in die Innenstadt bringen. Ihr Vorschlag: eine verkehrsberuhigte, begrünte Straße mit kleinen Haltebuchten, Sitzgelegenheiten und Platz für Cafés und Gastronomie. Bäume könnten Schatten spenden und die Innenstadt besser an die Folgen des Klimawandels anpassen. Eine reine Fußgängerzone hält sie dagegen nicht für erforderlich. Der Verkehr solle weiterhin langsam durch die Hauptstraße fließen können.
„Erst die Straße schön gestalten, dann kommt auch das Gewerbe – und nicht umgekehrt“, lautet ihre Überzeugung. Der Gewerbekreis habe sich seit vielen Jahren für eine Aufwertung der Hauptstraße eingesetzt. Nun sieht Escher erstmals die konkrete Chance, dass die lange diskutierten Veränderungen tatsächlich angegangen werden.
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Apotheker Hartmut Hildebrandt (2.v.l.): Kurze Wege zu Ärzten und Apotheken
Im Gespräch mit Verkehrsbeigeordnetem Florian Funk betonte der Apotheker, dass Kurzzeitparkplätze in unmittelbarer Nähe von Arztpraxen und Apotheken für die Gesundheitsversorgung unverzichtbar seien. Gerade für ältere oder mobilitätseingeschränkte Patienten müssten kurze Wege gewährleistet sein. Dauerparker sollten dagegen die vorhandenen Parkhäuser nutzen. Voraussetzung dafür seien ausreichend Stellplätze und entsprechend sanierte Parkdecks.
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Martin Graf: Parkgebühren als Einnahmequelle. Mehr Haltestellen für den Bürgerbus. Zebrastreifen und Tempo-30 von Ostkreisel bis Westkreisel. Neben Investitionen in eine lebensfreundliche Straßengestaltung und eine bauliche Erweiterung der Parkdecks/Parkhäuser seien es vor allem dringend notwendige Maßnahmen zur Verkehrsordnung, die Annweiler zu einer nachhaltigen Stadt entwickeln würden, stellt Martin Graf als Fazit seiner Arbeitsgruppe heraus.
Eine stärkere Parkraumbewirtschaftung mit gebührenpflichtigen Stellplätzen und kostenlosen Kurzzeitparkplätzen sollten miteinander kombiniert werden. Auch Anwohnerparkausweise gehören dazu. Viel entscheidender aber seien Maßnahmen gegen den vermeidbaren Durchgangsverkehr in der Altstadt: Durchfahrtsverbot – nur frei für Anlieger. Zusätzliche Haltestellen für den Bürgerbus sollten bei den Einkaufsmärkten (Lidl, Aldi, Netto) und in den Wohngebieten Burgenring und Klingelberg eingerichtet werden.
Die Ortsdurchfahrt (Zweibrücker Straße – Saarlandstraße – Landauer Straße), die als quasi Ersatz-B10 bei Tunnelsperrungen dient, sollte vom Westkreisel bis zum Ostkreisel einheitlich mit Tempo-30 ausgewiesen werden. Und für eine sichere Überquerung seien Zebrastreifen unerläßlich: „Es gibt mit Sicherheit in ganz Deutschland keine Ortsdurchfahr von 3 km Länge, in der es nur einen einzigen Zebrastreifen gibt“, so Martin Graf.
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Max Rieder: Ohne Verkehrskonzept bleibt die Neugestaltung Stückwerk
Max Rieder fordert eine umfassende Verkehrsplanung, die Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichermaßen berücksichtigt.Als früherer Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) war er an der Entwicklung eines Verkehrskonzepts in Landau beteiligt. Dort seien nach seiner Einschätzung nicht alle ursprünglich angestrebten Verbesserungen umgesetzt worden.
Für Annweiler hält er deshalb eine gemeinsame Ortsbegehung für unverzichtbar. Außerdem müsse bei künftigen Straßenbaumaßnahmen die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge von Anfang an mitgeplant werden.
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Am 1. Dezember werden die Ergebnisse vorgestellt
Der zweite Bürgerworkshop hat gezeigt: Der Wunsch nach einer attraktiveren Hauptstraße ist groß. Doch zwischen Verkehrsberuhigung, mehr Grün, sicheren Wegen und ausreichenden Parkmöglichkeiten müssen noch tragfähige Lösungen gefunden werden.
Entscheidend wird sein, wie es der integrierten Gesamtplanung gelingt, die unterschiedlichen Interessen von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Verkehrsteilnehmern in einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammenzuführen.
Der dritte und letzte Bürgerworkshop folgt am 9. November, 18 Uhr, im Hohenstaufensaal. Es wird dann um die Themen Gewerbe, Tourismus und soziale Infrastruktur gehen.
Am Dienstag, 1. Dezember, 18 Uhr, sollen im Hohenstaufensaal die Ergebnisse aller drei Bürgerworkshops öffentlich vorgestellt werden. Dann wird sich zeigen, welche Anregungen aus der Bürgerschaft in die weiteren Planungen für die Zukunft der Annweilerer Innenstadt einfließen könnten. (Günter Hirschmann)