
Jan Bollinger bedankt sich bei den Mitwirkenden der Veranstaltung – da war Weidel schon weiter gereist.
Foto: Pfalz-Express
Bad Dürkheim. Zur offiziellen Eröffnung des Landtagswahlkampfs der AfD Rheinland-Pfalz sprach am Samstag, 17. Januar 2026 die Bundesvorsitzende Alice Weidel in der gut gefüllten Salierhalle.
Ursprünglich war auch Co-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla angekündigt, der jedoch nicht anwesend war. Gründe dafür wurden von der Partei nicht mitgeteilt. Erst am Vortag waren beide Parteichefs gemeinsam in Idar-Oberstein aufgetreten.
Die Polizei zählte etwa 600 Teilnehmer in der Halle; die Veranstaltung endete gegen 16.30 Uhr. Aufgrund weiterer Termine Weidels war der Ablauf leicht angepasst worden. Neben Weidel sprachen unter anderem der lokale Landtagskandidat Philipp Pogoda (WK 042 Bad Dürkheim), Landesvorsitzender Jan Bollinger, Sebastian Münzenmaier (stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion und stellvertretender Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz), Politiker Serge Menga sowie der brandenburgische Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch.

Alice Weidel freut sich über ein Präsent, eine Dose Leberwurscht.
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Weidel kritisierte scharf die aktuelle Politik und nannte den Fall des Berliner Bürgermeisters Wegner als symptomatisch für ein verlorenes Vertrauen in die Politik: „So kann es nicht weitergehen.“ Sie dankte einer Gruppe von Landwirten vor der Halle mit den Worten „Ihr haltet das Land am Laufen“ und bezeichnete den Mercosur-Freihandel als „Verrat“. Die AfD wolle bei Regierungsverantwortung Illegale und Straftäter ausweisen, sichere Grenzen schaffen, Steuern senken, die Nord-Stream-Leitung reaktivieren und weitere Entlastungen umsetzen.
Weidel kündigte weitere Besuche in Rheinland-Pfalz im Februar und März an.

Foto: Pfalz-Express
Jan Bollinger betonte das Ziel, Rheinland-Pfalz „blau“ zu machen, die Regierung zu übernehmen und eine radikale Kehrtwende in Energie-, Medien- und Haushaltspolitik durchzusetzen – etwa durch Reaktivierung der Kernkraft, Abschaffung der CO₂-Bepreisung und Senkung der Grundsteuer.
Sebastian Münzenmaier attackierte den rheinland-pfälzischen Innenminister Ebling sowie CDU-Bundestagsabgeordneten Steiniger scharf und bezeichnete das Land als „Versuchslabor im Kampf gegen die AfD“. Er warf Steiniger vor, sich von einem Firmeninhaber zu einem teuren Essen habe einladen lassen, und betonte die Bedeutung der Meinungsfreiheit im Kontext des Falls Joachim Paul.
Laut Philip Pogoda gingen „Politische Entscheidungen an der Realität vorbei“. Er beklagte überbordende Bürokratie und monierte, dass sich in der Migrationspolitik die Kommunen am Limit befänden. Man wolle keinen radikalen Umsturz, sondern mehr gesunden Menschenverstand.
Serge Menga stellte sich als „schwarzer Bomber aus dem Kongo“ vor und sagte: „Ich werde oft gefragt, wie kannst du so doof sein, die AfD zu wählen.“ Er sei der lebende Beweis dafür, dass Integration gelingen könne, forderte aber eine „Bringschuld von Zuwanderern“ und erklärte: „Eine Bringschuld muss von denen kommen, die als Gast zu uns kommen. Mittlerweile bin ich deutscher als ihr seid.“

Serge Menga.
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Dennis Hohloch, der vom Verfassungsschutz Brandenburg als „erwiesen rechtsextremistisch“ eingestuft wird, wies diese Klassifizierung zurück: „Wir sind keine Extremisten, wir müssen das Land retten.“ Er und die AfD bezeichnen die Einstufung als politisch motiviert und willkürlich; ein Klageverfahren läuft vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. Hohloch forderte, der Verfassungsschutz solle stattdessen echte Gefährder beobachten und abschieben.

Die Polizei sorgte dafür, dass die Gegendemonstrationen vom Veranstaltungsort räumlich getrennt waren.
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Gegenversammlungen am Veranstaltungstag
Die Einladung zum Markt der Demokratie und Vielfalt am 17. Januar 2026 in Bad Dürkheim stand im direkten Zusammenhang mit der AfD-Wahlkampfveranstaltung. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus Initiativen, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und vielen engagierten Einzelpersonen wollte mit der Aktion ab 11 Uhr auf dem Wurstmarktplatz „ein klares, sichtbares Zeichen“ setzen. Laut Veranstalter setze man sich für eine offene, vielfältige und solidarische Gesellschaft sowie gegen Positionen ein, die man als Gefahr für Demokratie, Rechtsstaat und Zusammenhalt ansehe.
Der Tag begann mit dem Markt der Demokratie (Infostände, Gespräche, Musik), gefolgt von einem Demonstrationszug durch die Innenstadt (Start am Bahnhofsvorplatz) und einer großen Abschlusskundgebung auf dem Wurstmarktplatz unter dem Motto „Die Pfalz bleibt bunt!“ bzw. „Unsere Region ist bunt und weltoffen“.

Foto: Pfalz-Express
Genau diese Abschlusskundgebung war es, bei der wegen des unerwartet großen Andrangs der Veranstaltungsbereich spontan erheblich erweitert werden musste. Auf der Bühne sprachen Vertreter verschiedener Parteien, ein junger Sprecher des städtischen Jugendkomitees appellierte eindringlich, Hass nicht mit Hass zu begegnen, und der Dekan des Kirchenbezirks warnte vor radikalen Tendenzen in Teilen des politischen Spektrums.
Ein emotionaler Höhepunkt war der gemeinsame Gesang des traditionellen Pfalzliedes durch Edsel Merz (Frontmann der Mundart-Band „Anonyme Giddarischde“) und Christoph Glogger (ehemaliger Bürgermeister der Stadt und SPD-Mitglied), der die gesamte Gegenveranstaltung maßgeblich mit initiiert und organisiert hatte.

Quelle: Pfalz bleibt bunt
Polizeieinschätzung
Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl der friedlichen Kundgebung am Ende auf etwa 1.000 Personen, die Organisatoren gingen von rund 3.000 aus. In der Salierhalle selbst waren nach Polizeiangaben etwa 600 Menschen bei der AfD-Veranstaltung anwesend.
Eine kleinere Versammlung „Für Frieden, Demokratie und Gleichbehandlung“ mit etwa 30 Personen hieß die AfD-Teilnehmer willkommen. Die Polizei gewährleistete durch ihr Einsatzkonzept einen störungsfreien Verlauf und den Schutz aller Beteiligten.
Die Versammlungen verliefen weitgehend friedlich; vereinzelte Provokationen wurden laut Polizei „konsequent unterbunden“.
Sachbeschädigungen im Vorfeld der Veranstaltung
Vor der Veranstaltung kam es zu zwei Sachbeschädigungen: In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar wurden Treppe und Eingang der Salierhalle mit Kreide beschmiert (Strafverfahren wegen § 303 StGB gegen Unbekannt; Schmierereien beseitigt).
Am 17. Januar gegen 1 Uhr besprühte ein 38-jähriger Mann aus Bad Dürkheim einen Sichtschutz mit schwarzer Farbe; er wurde festgestellt, hatte Farbe bei sich und verschmutzte Hände (ebenfalls Strafverfahren § 303 StGB). Die Stadt tauschte den Sichtschutz aus.

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