
AfD-Infostand in Gemersheim vor der Bundestagswahl.
Foto: Pfalz-Express/Linares-Ramon
Kreis Germersheim/Kreis SÜW/Landau/Mainz (aktualisiert) – Nach der Hochstufung der AfD durch das Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ am 2. Mai 2025 berichten Kreis- und Landesverbände der Partei von einem deutlichen Anstieg an Mitgliedsanträgen.
In den Kreisverbänden Germersheim und Südliche Weinstraße/Landau sehen Parteivertreter einen sogenannten Solidarisierungseffekt.
Die Mitgliederzahl im AfD-Kreisverband Germersheim habe sich bereits seit einem Jahr verdoppelt, erklärte Andreas Wondra, Vorsitzender des Kreisverbands, gegenüber dem Pfalz-Express. Sofort am 2. Mai, dem Tag der Bekanntgabe der neuen Bewertung durch den Verfassungsschutz, sei ein weiteres Mitglied aufgenommen worden. „Wir haben aktuell neun weitere Aufnahmegespräche vor uns. Die Neumitglieder aus der Bevölkerung sagen: ‚Jetzt erst recht!‘“, so Wondra.
Auch der AfD-Kreisverband Südliche Weinstraße/Landau verzeichnet laut Vorsitzendem und Bundestagsabgeordnetem Bernd Schattner „seit Monaten starken Zulauf“. Die Zahl der Mitglieder liege mittlerweile bei über 270. Bei einem Bürgerdialog in Bitburg-Prüm am Samstag, an dem er teilgenommen habe, hätten sich zwei Personen direkt zum Parteibeitritt entschlossen.
Landesweit meldet die rheinland-pfälzische AfD ein „deutlich verstärktes Interesse“ an einer Mitgliedschaft. Laut Parteiangaben liegt die Mitgliederzahl aktuell bei über 4.000, rund 500 weitere Anträge seien noch in Bearbeitung. Seit dem 2. Mai habe es 122 neue Mitgliedsanträge und lediglich 19 Austritte gegeben, teilte der Landesverband mit.
„Bemerkenswerter Anstieg“
Der Landesvorsitzende Dr. Jan Bollinger führt dies auf die Reaktion vieler Bürger auf die Verfassungsschutzmaßnahme [1] zurück: „Die Bürger reagieren zurecht empört über diesen Angriff auf die Demokratie und wollen sich in zunehmendem Maße in der AfD engagieren. Die sprunghaft gestiegene Zahl an Mitgliedsanträgen ist auch deshalb bemerkenswert, weil bereits in den letzten Monaten hunderte Menschen in Rheinland-Pfalz der AfD beigetreten sind. Wir nähern uns mit Eiltempo der 5.000-Mitglieder-Marke. Wer unsere demokratische Bürgerpartei auch nur in die Nähe von Extremismus rücken will, entlarvt sich selbst.“
Die AfD weist diese Einstufung zurück und hat eine Abmahnung [2] an den Verfassungsschutz geschickt.
Am Donnerstag (5. Mai 2025) hat die Behörde dann für das Eilverfahren eine Stillhaltezusage abgegeben [3]. Das bedeutet, dass die mit einer Hochstufung verbundenen Maßnahmen zunächst nicht umgesetzt werden. Auch die Pressemitteilung des BfV wird vorerst von der Webseite genommen. (cli)
Hintergrund: Was bedeutet „gesichert rechtsextremistisch“?
Die Einstufung als „gesichert rechtsextremistisch“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bedeutet, dass ausreichend Belege vorliegen, um die AfD als extremistische Bestrebung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzustufen.
Im Unterschied zur Einstufung als „Verdachtsfall“ erlaubt diese Hochstufung den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel wie das Anwerben von V-Leuten, Observationen oder das Abhören von Kommunikation.
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