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Abschied von einem Wahrzeichen: St. Josef-Kirche in Neustadt profaniert

Neustadt. In einer feierlichen Zeremonie hat das Bistum Speyer am Samstagabend (22. November) die St. Josef-Kirche profaniert.

Der letzte Gottesdienst, zelebriert von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Pfarrer Janson, markierte das Ende einer Winzinger Tradition (Winzingen, ein Stadtviertel von Neustadt). Die Josefs-Kirche, konzipiert als Christ-König-Halle, erbaut aus einheimischem Bruchsandstein, wurde mit ihrem 28 Meter hohen Turm am 24. September 1933 von Bischof Dr. Ludwig Sebastian geweiht.

Hunderte Gläubige verabschiedeten sich nun in einer zum Teil sehr wehmütigen Stimmung von dem sakralen Raum, der jetzt für den profanen Gebrauch freigegeben wurde.

Es war dies der Höhepunkt einer langen Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel in der Region. Die Kirche musste aufgrund sinkender Gemeindezahlen und steigender Instandhaltungskosten aufgegeben werden.

Bischof Wiesemann erklärte in seiner Predigt: „Dieser Schritt ist schmerzhaft, aber notwendig, um unsere Kräfte für die lebendigen Gemeinden zu bündeln.“ Pfarrer Janson verlas anschließend das bischöfliche Dekret, mit dem die Kirche ihrer Weihe enthoben und für profan erklärt wurde. Der Altar wurde leergeräumt, alle liturgischen und sakralen Gegenstände entfernt. Dann löschte man die Lichter und alle Kerzen – eine Geste, die viele aus der Liturgie des Gründonnerstags kennen. Zum Schluss zogen die Geistlichen aus der Kirche aus.

 Die Pfarrei Hl. Theresia von Avila, zu der St. Josef gehörte, hatte bereits im Oktober angekündigt, dass „andere Kirchen folgen“ könnten. Die Entscheidung fiel nach intensiven Beratungen mit der Gemeinde und dem Bistum.

Letzte Führungen durch das Gebäude zogen in den Wochen zuvor zahlreiche Interessierte an. „St. Josef war mehr als ein Bauwerk – sie war ein Ort der Trost und Gemeinschaft“, so ein Gemeindemitglied.

Die Profanierung ist Teil eines größeren Trends im Bistum Speyer: In den letzten Jahren wurden mehrere Kirchen entwidmet, um Ressourcen für pastorale Arbeit und soziale Projekte freizusetzen.

Die St. Josef-Kirche könnte nun zu einem Kulturzentrum, Wohnraum oder sogar einem Museum umgenutzt werden – konkrete Pläne stehen noch aus. Die Pfarrei lädt in den kommenden Wochen zu Gedenkveranstaltungen ein, darunter eine Ausstellung zur Kirchengeschichte. Während einige Gläubige den Verlust als Verlust einer Identität beklagen, sehen andere in der Umnutzung eine Chance für Neues. Bischof Wiesemann betonte: „Der Glaube lebt in den Herzen der Menschen, nicht in den Steinen.“ 

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