Sonntag, 19. November 2017

Zentralrat der Juden für Schüler-Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten

8. November 2017 | 15 Kommentare | Kategorie: Nachrichten, Politik
Konzentrationslager Auschwitz. Foto: dts Nachrichtenagentur

Konzentrationslager Auschwitz.
Foto: dts Nachrichtenagentur

Berlin  – Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert, dass alle Schüler der höheren Schulklassen eine KZ-Gedenkstätte besuchen müssen.

Zentralratspräsident Josef Schuster sagte dem MDR-Magazin „Exakt“, dass bei solch einem Pflichtbesuch an authentischen Orten das historische Geschehen begreifbarer wird als in Büchern oder Filmen: „Ich halte solche Besuche auch für Schüler mit Migrationshintergrund, also deren Vorfahren nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hatten, für sinnvoll. In der Gedenkstätte wird sichtbar, wohin die Diskriminierung und Verfolgung einer Minderheit im Extremfall führen kann.“

Auch Rolf Isaacsohn, der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Leipzig, ist für Pflichtbesuche. Der Holocaust-Überlebende, der als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde, sagte: „Es ist wichtig, dass das heute weitergeführt wird, dass die Schulklassen, wie es zu schon zu DDR-Zeiten war, alle nach Buchenwald mussten. Freiwillig haben ja manche Scheu davor, das zu sehen oder zu erleben.“

Im Bildungssystem der DDR waren Besuche von KZ-Gedenkstätten verpflichtend für jeden Schüler – meistens im Rahmen der Jugendweihe. Heute gibt es diese Pflichtbesuche kaum noch. Lediglich in Bayern steht für nahezu alle Schüler der Besuch einer KZ-Gedenkstätte im Rahmen einer Schulexkursion auf dem Lehrplan. Das ergab eine „Exakt“-Umfrage unter allen 16 Kultusministerien der Bundesländer.

Thüringens Minister für Jugend, Bildung und Sport, Helmut Holter (Linke), positioniert sich gegen einen im Lehrplan verordneten Gedenkstätten-Besuch. Zwang sei das falsche pädagogische Mittel, sagte er dem MDR-Magazin: „Das ist für mich eine andere Herangehensweise. `Ach, jetzt müssen wir dahin, jetzt müssen wir uns das auch antun.` Ich halte den Weg der Freiwilligkeit für den richtigen.“

Auch die Gedenkstätte Buchenwald lehnt die Verankerung eines KZ-Besuchs im Lehrplan ab. Der Sprecher der Gedenkstätte, Philipp Neumann-Thein, teilte dem MDR-Magazin schriftlich mit: „Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen zeigen, dass bei freiwilligen Gedenkstättenbesuchen die Eigenmotivation der Besucher deutlich höher ist, sich intensiv und nachhaltig mit Buchenwald und seiner Geschichte auseinanderzusetzen.“ (dts Nachrichtenagentur)

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15 Kommentare auf "Zentralrat der Juden für Schüler-Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten"

  1. Helmut Hebeisen sagt:

    Ich würde sogar noch weitergehen und ein Besuch zur Pflicht für AfD-(…) machen.

    • Lucifers Friend sagt:

      Sie sollten wirklich nicht hier über Dinge und Probleme schreiben, von denen Sie absolut keine Ahnung haben! Oder sich wenigstens vorher schlau machen, aber nicht einseitig mit Westpropaganda … 70 Jahre USA-Gehirnwäsche konnten Sie ja nicht unbeschadet überstehen!

  2. GKKEKKKEKKE sagt:

    Es dürft weltweit kein historisches Ereignis geben, das besser aufgearbeitet ist, über das mehr Bücher und Filme berichten und an das so häufig erinnert wird, wie die Judenverfolgung während der Hitlerjahre.
    Was nun aber deutsche Schüler prädestiniert hier im Rahmen eine Zwangsbildungsmaßnahme speziell präpariert zu werden, erschließt sich mir nicht. Die Pflege einer Kollektivschuld ist absurd und dient dazu diese schlimmen Ereignisse für die Zwecke der gegenwärtigen Politik zu instrumentalisieren. Schuld ist man nur für etwas, dass man selbst verbrochen hat.

  3. Helmut Hebeisen sagt:

    Gerade jetzt wird es bedingt durch die AfD wieder besonders Zeit sich daran zu erinnern, Die NSDAP hat genau so begonnen, wie es die AfD gerade macht.

  4. GKKEKKKEKKE sagt:

    „Die NSDAP hat genau so begonnen, wie es die AfD gerade macht.“

    Bilden Sie sich sowohl in Sachen NSDAP als auch AfD einfach mal etwas weiter.
    Sie können mit Haffners „Geschichte eines Deutschen“ beginnen und dann vielleicht mal eine AfD-Veranstaltung besuchen oder deren Programm lesen und es mit dem der CDU von 2002 vergleichen.
    Im übrigen muss man mir noch erklären, woher die 12% angeblichen Nazis kommen, Das könnte vielleicht mit der Politik der Bundesregierung zusammenhängen, die in weiten Teilen Europas gleichfalls auf Ablehnung stößt.

    • Michi sagt:

      Das Programm der AfD spielt keine Rolle. Aktuelle wird die AfD endgültig zur rechtsextremen Partei umgebaut. Seit der Wahl sind sehr viele “ gemäßigte“ aus der Mittlern Führungebene ausgetreten. Die Zusammenarbeit mit ein Prozent, pegida und der IB wird stehtig ausgebaut. Über 40 AfD mdl und mdb sind in der nazi Gruppe „die Patrioten“. Und sie haben nichts besseres zu tun als die Bürger zu belügen?

  5. Motzki sagt:

    Ersatzweise eine Reise zum Gazastreifen..

  6. Fogger sagt:

    Es sollte dann auch eine Besuchspflicht für Palästina und dort insbesondere für Bethlehem geben. Auch dort geschieht menschenverachtendes. Übrigens, ich bin schon in Buchenwald und Bethlehem gewesen.

  7. Helmut Hebeisen sagt:

    Besonders für Zwerchfell wären Besuche in den Lagern mal anzuraten.

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