Montag, 20. November 2017

Wörth: Offener Brief von Steffen Weiß (Aktionsbündnis zweite Rheinbrücke) an BUND-Vorsitzenden Weiger: „Wasser predigen – und selbst Wein saufen“

2. November 2017 | 6 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Politik regional, Regional
Steffen Weiß, Vorsitzender Aktionsbündnis Zweite Rheinbrücke.

Steffen Weiß, Vorsitzender Aktionsbündnis Zweite Rheinbrücke.

Wörth – Der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Zweite Rheinbrücke (Wörth-Karlsruhe), Steffen Weiß, hat einen offenen Brief an den Bundesvorsitzenden des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.), Hubert Weiger, geschrieben.

Darin geht es um das laut Weiß „fragwürdige Anreiseverhalten“ zur Klimaschutzdemo in Bonn am 4. November – insbesondere in Verbindung mit dem Verlautbarungen lokaler BUND-Protagonisten in der Südpfalz und Karlsruhe. „Wasser predigen – und selbst Wein saufen“ wirft Weiß den Verantwortlichen vor.

Das Schreiben im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Weiger,

Sie rufen als Bundesvorsitzender des BUND – neben vielen anderen – aktiv zur Klimademo am 4.11., 12.00 Uhr, in Bonn, auf dem Münsterplatz auf. (https://www.klima-kohle-demo.de/aufruf/)

Der Ort ist sicher nicht nur deswegen gut gewählt, weil dort in der Folgezeit die 23. Klimakonferenz stattfindet, sondern auch in Bonn selbst ist der nur 250 Meter vom Hauptbahnhof gelegene Platz optimal. Demo-Teilnehmer könn(t)en hervorragend mit der Bahn anreisen, Bonn ist sehr gut mit Fern- und Nahverkehrszügen zu erreichen.

Ein Lob hierfür an die grundsätzliche Organisation der Veranstaltung.

Die Umsetzung durch nachgeordnete Verbände, auch von BUND-Orts- und Regionalgruppen, konterkariert diese Demo dann aber, und nicht nur im Einzelfall – auch wenn ich den Einzelfall „BUND Südpfalz“ im Folgenden etwas näher beleuchten möchte.

Bei der zur Demo verlinkten „Mitfahrzentrale“ https://www.klima-kohle-demo.de/anreise/mfz/#/events/1/destinations/1/offers finden sich zwar auch sieben „Puristen“, die zum Mitradeln einladen. 13 Angebote bestehen, mit der Bahn anzureisen.

Knapp 40 Angebote mit Bus, Kleinbus, Auto anzureisen, gibt es aber.

Der BUND Hessen startet z.B. in Frankfurt am Hauptbahnhof, der BUND Südpfalz in Landau am Hauptbahnhof. Allerdings findet die Fahrt mit dem Bus bzw. Kleinbus statt!! Die Bahnanbindung von Frankfurt Hbf zum Hbf Bonn ist herausragend.

Von Landau in der Pfalz kann man mit dem RLP-Ticket mit Nahverkehrszügen für 8,80 € (RLP-Ticket 24€ plus je 5 € für bis zu vier Mitfahrer) pro Person nachhaltiger und günstiger nach Bonn fahren – ja, das RLP-Ticket gilt explizit bis Bonn/NRW!

Der BUND Südpfalz mietet Kleinbusse (Diesel), um für 20 € pro Person nach Bonn zu fahren. Abfahrt 9 Uhr. Bis 12 Uhr in Bonn zu sein erfordert eine eher sportliche als ökoeffiziente Fahrweise.

Die Vorsitzende des BUND Südpfalz, Karin Marsiske, tritt in der lokalen/regionalen Diskussion um den Bau der 2. Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe – genau wie die Karlsruher Kollegen vom BUND Mittlerer Oberrhein – als „Moralapostel“ auf, möchte den betroffenen Pendlern die ÖPNV-Nutzung am liebsten vorschreiben.

Von der zeitlich und kostenseitig perfekten Verkehrsanbindung des Bonner Münsterplatzes können Berufspendler aus der Südpfalz, die in Karlsruhe in Gewerbe- und Industriegebieten arbeiten, im Schichtdienst, in Krankenhäusern, deren ÖPNV-Anbindung am Besucherbedarf ausgerichtet ist, die auf dem Arbeitsweg Kinder zur Kita bringen oder abholen, Werkzeug mitnehmen müssen etc.

Am 4.11. von Landau nach Bonn mit dem Kleinbus zu fahren ist NICHT günstiger, NICHT nachhaltiger, NICHT besser. Es ist schlicht nur bequemer. Ihre Demoteilnehmer können am Samstag etwas länger schlafen, müssen nicht umsteigen.

Würden die BUND-Leute aus Landau mit der Bahn anreisen, könnten sie individuell sogar Geld sparen, nicht nur CO2.
In beigefügter Darstellung ergibt sich bei der Kleinbusfahrt ein „Gewinn“ von 42,20 € aus 160 € (Kostenbeiträge von 8 Teilnehmern für einen vollen Kleinbus), immerhin etwas über 26 %!

Eine Bahnstation weiter, in Neustadt an der Weinstraße, haben es die Grünen doch auch mit dem Bahnangebot hinbekommen.

Selten passt der Spruch „Wasser predigen, und selbst Wein saufen“ so treffend wie hier.

Der „CO²-Footprint“ dieser „Klimademo“ ist eine Blamage für Ihre Organisation. Angehängt ein paar Fakten zur Demo-Anreise alleine der Truppe aus Landau. Das Fahrzeug aus dem Carsharing-Angebot, die Kosten, der CO2-Ausstoß.

Natürlich ist mir klar, dass das Nahverkehrsangebot der Bahn in der Regel mit Dieselloks gefahren wird. Ich warte nur darauf, dass Sie mir die gewählte Anreiseart des BUND Südpfalz als die „ökologisch sinnvollste“ schönrechnen.

Da ich ohnehin gerade dabei bin, den Status beteiligter Landesverbände an der geplanten Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zur 2. Rheinbrücke Karlsruhe hinsichtlich „Naturschutzvereinigung“ und „Steuerbegünstigung“ zu prüfen bzw. prüfen zu lassen (Landesämter für Umweltschutz, mit dem Umweltbundesamt bin ich bereits im Dialog, Finanzbehörden), wird mir hier ein weiteres Mosaiksteinchen geliefert.

Gegen den Planfeststellungsbeschluss gehen Ihre örtlichen Fußtruppen u.a. mit dem Vorschlag einer „Ersatzbrücke“ an Stelle der bestehenden sanierungsbedürftigen Brücke vor und behaupten, eine Prüfung dieser Alternative habe nicht stattgefunden. Selbst als Laie lese ich in der Variantenprüfung sowie dem Planfeststellungsbeschluss, dass dies

  • 1. geprüft wurde,
  • 2. bautechnisch nicht möglich ist, eine „Brücke zwischen die Brücken“ (Straßen- und Bahnbrücke) zu bauen, da die Fundamente nur rund 9m entfernt liegen.
  • 3. die Deutsche Bahn Arbeiten am oder in unmittelbarer Nähe des Fundamentes des Strompfeilers der einzigen Bahnbrücke über den Rhein weit und breit ablehnt.
  • 4. Ein – selbst als temporäres Bauwerk zum späteren Verschieben – Vorhaben, das südlich der heutigen Straßenbrücke Eingriffe bedeutet, in jedem Fall ein Naturschutzgebiet („NSG Burgau / Knielinger See“) beeinträchtigen wird, während im Planfeststellungsbeschluss keine Gebiete mit Schutzstatus betroffen sind.

Und in Punkt 4 verstoßen die Herren gegen die Satzung des BUND, die Voraussetzung für die Anerkennung als Naturschutzvereinigung ist. Das gilt es zu ändern. Entweder den Status des BUND, die Satzung oder diese krude Vorgehensweise.

Da im Übrigen mit unwahren Behauptungen (es würde nur eine Brücke bis zur Flußmitte gebaut, obwohl jeder klar denkende Mensch weiß, dass es zwei nach Bundesländern getrennte Verfahren sind) und Angstmacherei vor Ort („Einstige in die Nordtangente Karlsruhe“ – obwohl die im aktuellen BVWP 2030 gar nicht mehr enthalten ist) Spenden gesammelt werden, lasse ich auch gleich diese fragwürdige Spendensammelpraxis von den örtlichen Behörden überprüfen.

Gegen steuerliche Begünstigungen von Spenden zur Finanzierung einer Klage, die den Interessen des Naturschutzes zuwiderläuft (unter Punkt 4 erläutert) habe ich bereits beim zuständigen Finanzamt interveniert.

Mit freundlichen Grüßen

Steffen Weiß
Vorsitzender „Aktionsbündnis Zweite Rheinbrücke (Wörth-Karlsruhe)“

 

 

Grafik: Steffen Weiß

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Bild über Steffen Weiß

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6 Kommentare auf "Wörth: Offener Brief von Steffen Weiß (Aktionsbündnis zweite Rheinbrücke) an BUND-Vorsitzenden Weiger: „Wasser predigen – und selbst Wein saufen“"

  1. Philipp sagt:

    Ich glaube, Herr Weiß hat einen guten Weg gefunden, BUND und ähnliche Vereine, bei denen ein paar geltungssüchtige Schmarotzer auf Kosten von Spendern, Steuerzahlern und Allgemeinheit ihre Sucht befriedigen, zu demaskieren.
    Es kann nicht sein, dass Profilneurotiker ihre Minderwertigkeitsgefühle durch Erzeugen von hohen Kosten für unsinnige Maßnahmen unter dem Vorwand von „Naturschutz“ und „Umweltschutz“ ausleben. Ihre Probleme liesen sich nachhaltiger und ohne der Gesellschaft massiv Schaden zuzufügen, mit einer Therapie lösen.
    Die Praxis zeigt doch, dass mit irgendwelchen dubiosen finanziellen Maßnahmen zugunsten dieser „gemeinnützigen“ Verbände plötzlich die ganzen Klagen gegen einen angeblich „drohenden Weltuntergang“ plötzlich vergessen sind.
    Eine Berichterstattung über das unseriöse Gebaren von solchen Gruppen ist dringend erforderlich.
    Ich hoffe, dass die Initiative von Herrn Weiß dazu einen Anstoss gibt.

  2. Danny G. sagt:

    Na ja.. die gleiche Rechnung und Argumentation könnte man auch anbringen, über die „Pendler“ die täglich die Rheinbrücke im privaten PKW sitzend nutzen.
    Es ist bequemer alleine im eigenen PKW zu sitzen, als Fahrgemeinschaften zu bilden, bzw. die Bahn und somit die zweite Rheinbrücke zu nutzen. Und man kann länger schlafen.
    Würden die „Pendler“ wie der BUND zu siebt oder zu neunt im Kleinbus pendeln, würde sich die Automenge über die Rheinbrücke deutlich verringern und es müsste nicht ein zusätzlicher Betonklotz in die Landschaft geschmissen werden. Über die exorbitanten Mengen an CO² bei der Betonherstellung will ich jetzt gar nicht erst anfangen.

    • Philipp sagt:

      Die Pendler spielen sich auch nicht in der Öffentlichkeit als die Bessermenschen auf sondern ihre tägliche Fahrt dient dazu, das Bruttosozialprodukt unseres Gemeinwesens zu steigern, von dem die Ablassprediger und Alleinguten so prächtig profitieren.
      Von denen, die anderen eine bestimmte Lebensweise aufzwingen wollen, kann man schon erwarten, dass sie auf der Fahrt zu ihren Gehirnwäsche- und Showveranstaltungen diese Lebensweise auch vorleben.
      Die Pendler tragen dagegen genug zur Finanzierung dieses Unsinns bei, da haben sie sich redlich verdient, dass sie auf ihren Wegen zu und von der Arbeit nicht noch weitere vermeidbare (Zeit-) Opfer bringen müssen.

  3. Barney sagt:

    Jaja, Karlsruhe: viel vor und nix dahinter!
    Anstatt sich für eine zweite Rheinbrücke einzusetzen wird trotz Ahnungslosigkeit dagegen gestimmt.
    Der allmorgentliche Stau reicht mittlerweile täglich auf der A65 bis nach Wörth-Dorschberg, und das ohne das ein Unfall oder ähnliches passiert. Der Zeitverlust beträgt somit täglich 20 Minuten und das bereits kurz nach 6 Uhr! Bei Speyer gibt es 2 Brücken, bei Ludwigshafen gibt es 2 Brücken nur Karlsruhe bildet sich ein, dass eine ausreicht. Und dann die lächerliche Aussage, dasse eine 2 Brücke mehr Verkehr anziehen würde… Ja, da die Leute fahren dann just for fun über die Brücke nach KA, weil sie nix besseres zu tun haben… Von was träumt ihr nachts?? Fakt ist, eine 2 Brücke mit Nordtangende und B36 Anbindung würde das Chaos entschärfen und die Knielinger entlasten, da die Pendler direkt auf die B36 könnten. Wenn die eine, uralte Brücke morgen nicht mehr befahrbar ist, weil z.B. mal wieder ein Schiff dagegen donnert ist Land unter, wie man vor kurzem Aufgrund der beiden Unfälle (Hachschnitzellaster und Heizölanhänger) feststellen konnte (siehe auch Schiersteiner Brücke). KA möchte eine Metropolregion sein, dann muss sie auch darfür sorgen, dass man überhaupt in die Stadt rein kommt. Wieviele Karlsruhe fahren anstatt in die Karlsruherinnenstadt über den Rhein in den Maximilianscenter zum einkaufen weil sie ebenfalls keinen Bock auf Stau haben? Antwort: Jede Menge!

    Also, baut entlich die 2. Brücke, -natürlich mit Gleisen für Züge, Radweg und Nordtangende und B36-Anbindung!

  4. Lisa sagt:

    Boar, wenn ich das schon höre, dass die Grünen&Naturschützer gegen die 2. Rheinbrücke sind, weil sie den Lebensraum von Fledermäußen etc. bedroht sehen könnte ich ausrasten! Sobald die Bagger dort anrücken werden diese Tiere ein paar huntert Meter weiter ziehen und gut ist. Wenn jeder solche Sichtweisen hätten, hätten wir keine Straßen und keine Brücke, keine Bahngleise und gar nix.
    Es gibt seit über einen Jahrzehnt jeden Tag Stau vor der Brücke, nächstes Jahr wird es besonders schlimm, weil die Brücke Kernsaniert werden muss. Die Abgase welche aufgrunddessen in die Luft geblasen werden interessiert die Brückengegner wohl nicht!!!!

    BAUT ENDLICH DIESE 2. BRÜCKE UND GUT IST!!!!!!!!!

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