Sonntag, 17. Dezember 2017

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht Südpfalz-Kaserne in Germersheim: Einsatzvorbereitende Ausbildung macht Soldaten fit für Auslandseinsätze

9. August 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf ihrer Sommerreise das Luftwaffenausbildungsbataillon in Germersheim. Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kommt auf ihrer Sommerreise auch zum Luftwaffenausbildungsbataillon in der Südpfalz-Kaserne.
Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht

Germersheim: Auf ihrer Sommerreise macht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am 14. August in der Südpfalz-Kaserne Station.

Die Ministerin will mit Kommandeur Oberstleutnant Maximilian Olboeter und Soldaten und Soldatinnen verschiedener Dienstgradgruppen des Luftwaffenausbildungsbataillons sprechen und sich über die Leistungsfähigkeit der Einheit informieren.

In Germersheim werden Rekruten ausgebildet und Soldaten der Luftwaffe und Marine (Heer nur vereinzelt) auf den Auslandseinsatz vorbereitet. Jeder, der im Ausland Dienst tun will, muss in der Südpfalz-Kaserne die Ausbildung durchlaufen, die Soldaten für ihre Einsätze in den Brennpunkten der Welt trainiert. Im letzten Jahr ist sie intensiviert und um 30 Prozent aufgestockt worden.

Ungefähr 5.000 Trainingsteilnehmer absolvieren pro Jahr die einsatzlandspezifische oder die Grundlagenausbildung der Luftwaffe für Auslandseinsätze. Die Grundausbildung absolvieren etwa 1.300 Frauen und Männer im Verband. Auch Mitglieder der armenischen Streitkräfte trainieren im Rahmen einer Kooperation regelmäßig in Germersheim.

In der Summe wurden also etwa 70.000 Trainingsteilnehmer, vom Gefreiten bis zum General, in den letzten 15 Jahren in Germersheim für ihren Einsatz aus- und weitergebildet.

Jedoch wird in Germersheim nicht nur eine einsatzlandspezifische Ausbildung (ELSA) durchgeführt (für die Länder Afghanistan, Mali, Kosovo, Türkei, Jordanien oder Katar und Kuwait). Die überwiegende Mehrheit der Lehrgangsteilnehmer nimmt an der „Einsatzlandunspezifischen Ausbildung“ (ELUSA) teil, die für alle Einsätze gleichermaßen gilt. Diese Ausbildung bildet die Grundlage für die spätere ELSA.

Übung: Patrouille angegriffen

Die Ausbildung ist in theoretische und  praktische Abschnitte unterteilt. In der Praxis werden Situationen durchgespielt, wie sie bei Einsätzen im Ausland auftreten könnten. Dafür gibt es das Übungsdorf auf dem Kasernengelände und das Übungsgelände im angrenzenden Wald.

Bei einem der Übungsszenarien trifft beispielsweise eine Patrouille auf feindlichen Widerstand. Das Begleitfahrzeug wird angespengt, die Insassen sind verletzt.

Die übrigen Soldaten des Zuges müssen die Kameraden aus dem Fahrzeug retten („keiner wird zurückgelassen“), stehen aber unter Beschuss. Die gegnerischen Schützen haben sich im Dickicht versteckt, nur das Mündungsfeuer ist zu sehen. Rauchschwaden der Explosion hängen in der Luft und erschweren zusätzlich die Sicht.

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Bei eben dieser Übung, die der Pfalz-Express aktuell begleitet hat, entschied sich die Fußtruppe, in der Deckung des Waldes in einem Halbkreis vorzurücken, um die Verletzten letztendlich unter Deckungsfeuer ihrer Kameraden aus dem beschädigten Fahrzeug zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Das gelang im zweiten Anlauf.

Eine zweite Gruppe beobachtete das Geschehen, um mit „Außensicht“ zu lernen. Diese Gruppe hatte zuvor eine Aufgabe bekommen, bei der dann die andere zuschauen konnte.

Geschossen wurde mit Platzpatronen. Die Wetterbedingungen an diesem Tag entsprachen durchaus denen in einigen Einsatzländern: heiß und sehr schwül. Dementsprechend verschwitzt waren die Teilnehmer am Ende der Übung. Zum Abschluss wurde mit den Ausbildern analysiert, was gut oder schlecht lief, wo Probleme aufgetaucht sind und was hätte besser gemacht werden können. Dabei ging mancher Beteiligter härter mit sich ins Gericht als die Übungsleiter selbst.

Gewöhnen an Extremsituationen

Auch im Übungsdorf wird so realistisch wie möglich trainiert. 150 Kostüme für unterschiedliche Ländermodule stehen zur Verfügung, Darsteller inklusive.

Es werden entsprechende Situationen durchgespielt, meist mit „Gegnern“ in Landestracht – immer wieder, bis eine gewisse Handlungssicherheit entstanden ist. Für die Darstellung von sogenannten Sanitätslagen zaubern speziell ausgebildete Sanitäter täuschend echte Darstellungen von Verbrennungen oder Brüchen. Für blutende Wunden wird Kunstblut verwendet.

Interkultureller Unterricht

Im theoretischem Teil nimmt der interkulturelle Unterricht einen großen Stellenwert ein: Welche Sitten und Gebräuche herrschen im jeweiligen Einsatzland, was ist erlaubt, welches Verhalten könnte Missverständnisse und Konflikte auslösen? Aber auch Truppenpsychologie, Sozialberatung, rechtliche Grundlagen – all das wird angesprochen.

Hauptfeldwebel: „Hat sich viel getan“ 

Einer, der die Einsatzvorbereitende Ausbildung zum zweiten Mal absolviert hat, ist Hauptfeldwebel Sebastian Hahn vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau. Hahn arbeitet dort im Logistik-Sektor und war unter anderem schon im Kosovo und in Usbekistan. Nun soll sein vierter Auslandseinsatz nach Afghanistan gehen.

Hauptfeldwebel Sebastian Hahn.

Hauptfeldwebel Sebastian Hahn.

Vor vier Jahren hat er seine erste Ausbildung für die Tätigkeit im Ausland durchlaufen. Die zweite diene der Aktualisierung und dem „In-Übung-Bleiben“, sagt er. Die Erfahrungen der Lehrgangsteilnehmer und Ausbilder der letzten Jahre seien in die Ausbildung eingeflossen und habe sie weiter verbessert: „Alle Fachlehrer haben praktische Erfahrung und waren selbst im Einsatz.“

Es werde mit vielen praktischen Beispielen gearbeitet, mit Präsentationen und Berichten von Soldaten, die ihre Erlebnisse in Gesprächen weitergeben. Ganz alltägliche Dinge werden genauso besprochen, oft am Abend nach dem offiziellen Teil: Wo kann man Geld wechseln, wie bekomme ich eine Telefonverbindung – auch das hilft später am Einsatzort.

In Afghanistan ist es üblich, bei Hochzeiten oder anderen freudigen Ereignisse in die Luft zu schießen. Dabei nicht die Nerven verlieren, aber trotzdem auffälliges Verhalten im Blick behalten und zudem den Dorfältesten finden, ist ein weiteres Szenario im Übungsdorf, das auch Hahn durchgespielt hat: „Viele Männer in Afghanistan laufen mit MPs herum, das gehört zum Bild und zur Mentalität. Damit muss man klarkommen.“

Da hilft es natürlich, wenn man zuvor schon einmal einen Eindruck bekommen hat, ein Gefühl, wie es später in der Realität sein könnte. Hahns Fazit: „In Ausbildung hat sich extrem viel getan. Die Ausbilder schaffen es, viel Wissen in kurzer Zeit zu komprimieren und das Wesentliche auf den Punkt zu bringen.“ (cli)

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