Donnerstag, 21. September 2017

Veranstaltungsreihe „Schweitzer trifft“ in Ingenheim: Ratinho: „Alles, was ich habe, verdanke ich dem Sport“

14. Juli 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Lasst große Männer um mich sein: Ratinho mit Alexander Schweitzer und Thomas Wind (links), der sich  in der Feuerwehr Billigheim-Ingenheim ebenfalls sehr intensiv mit Jugendarbeit beschäftigt.
Fotos: Pfalz-Express/Ahme

Ingenheim. In der Reihe „Schweitzer trifft…“ begegneten sich gestern der Landtagsabgeordnete Alexander Schweitzer und Everson Rodrigues, besser bekannt als „Ratinho“ (Zaubermäuschen) im Sportheim des TSV Fortuna Billigheim-Ingenheim.

Etwas mehr als eine Stunde dauerte das aufschlussreiche Gespräch, das viele (nicht nur am Sport) Interessierte verfolgten. Danach war Ratinho auch für Fragen der Anwesenden bereit, ließ sich bereitwillig mit seinen Fans fotografieren und schrieb auch fleißig Autogramme.

Schließlich ist „Ratinho“ immer noch bekannt als Profifußballer, der unter anderem von 1996 bis 2003 für den 1. FCK gespielt hat und ein wichtiger Stützpfeiler in der Meistermannschaft von 1998 war. Der gebürtige Brasilianer beendete 2006 seine Karriere als Profifußballer und arbeitet seitdem als Jugend-Trainer beim 1. FC Kaiserslautern.

Seit 25 Jahren ist Ratinho mit Ehefrau Luisa verheiratet. Die „Struktur“ einer intakten Familie sei ihm sehr wichtig, betont er. Neben seiner sportlichen Karriere setzt sich Ratinho auch für Kinder und Jugendliche in seiner Heimat ein und unterstützte während der Fußball-WM 2014 als Botschafter die Sportinitiative BoscoArena „1.000 Bälle für Brasilien“ von Don Bosco Mondo.
Außerdem eröffnete er im Juni 2012 ein brasilianisches Restaurant in Kaiserslautern.

Obwohl der Eine sehr groß, der Andere eher klein gewachsen ist, begneten sich Schweitzer und Ratinho absolut auf Augenhöhe. Bei einem Glas Bier wurde darüber gesprochen, welche Rolle der Sport bei dem gesamtgesellschaftlichen Prozess der Integration von Migranten übernehmen könne.

Nach ihrer übereinstimmenden Meinung bilde der vereinsorganisierte Sport einen Schwerpunkt, da er viele Möglichkeiten biete, wie das Zusammenleben und das Miteinander von einheimischen und zugewanderten Mitbürgern intensiviert und verbessert werden könne.

„Der Sport hat mir viele Wege eröffnet – er ist die beste Schule für das Leben“, erklärte Ratinho nachdenklich. Gemeinsam zeichnete er zusammen mit Schweitzer ein Leben nach mit vielen Tiefen, aber auch Höhepunkten, wie zum Beispiel der Zeit beim FCK. „Leidenschaft für den Sport, das konnte man damals noch erleben“, sagt er und meint die Zeit als der FCK abgestiegen war und sich dann mit Trainer Otto Rehagel wie Phoenix aus der Asche zum Meistertitel emporgeschwungen hatte.

Ratinho war damals trotz anderer Möglichkeiten zum FCK gegangen, denn er schätzte die familiäre Stimmung. „Man muss sich in einer Region wohlfühlen“. Die Frage Schweitzers, ob und wie sich der Fußball verändert habe, muss wohl einen wunden Punkt getroffen haben, denn Ratinho war plötzlich sehr emotional.

Man spiele ohne Herzblut, identifiziere sich nicht mehr mit seinem Verein: „Heute kommt ein Spieler und ist auch gleich wieder weg. Damals haben Spieler jahrelang miteinander gespielt“.

Auch die Jugendarbeit sei immer schwieriger geworden: „Heute kommen 15jährige schon mit ihrem Manager, das macht keinen Spaß mehr“, erklärt Ratinho, der sich aus diesem Grund immer mehr aus der FCK-Trainerarbeit zurückgezogen hat und inzwischen erfolgreicher Geschäftsmann geworden ist.

Nichtsdestotrotz begeistert er nachwievor die Jugend und holt sie in Fußballcamps- auch behinderte oder Jugendliche aus Heimen. Das Ganze funktioniert mit Sponsoren.

Dass die Jugendlichen Disziplin erfahren müssen und auch die Schule nicht vernachlässigen dürfen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Der Sportunterricht in Schulen käme zu kurz, was eine anwesende Lehrerin nur bestätigen konnte. Wie Vereine Sport in Ganztagsschulen gestalten können und wie auch Flüchtlinge durch den Sport besser integriert werden könnten, war ebenfalls Thema des Gesprächs.

„Klar ist jedenfalls, die Politik kann das Ehrenamt nicht ersetzen, deshalb brauchen wir es, um aktive Integrationsarbeit zu leisten“, so Schweitzer.

Beachten Sie auch unser Video (Ratinho spricht über die WM) (desa)


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