Donnerstag, 14. Dezember 2017

Rauch über dem Speyerer Dom – Große Rettungsübung mit dramatischem Szenario

26. April 2014 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional

Zum Glück kein Ernstfall: Rauch quillt aus dem Turm, eine Schülegruppe ist eingeschlossen, es gibt Verletzte.
Fotos: © Domkapitel Speyer

Speyer – Eine Schulklasse befindet sich im verrauchten Südwestturm des Speyerer Doms. Es gibt Verletzte und Vermisste.

Doch zum Glück ist dies kein Ernstfall, sondern eine großangelegte Rettungsübung, die am Freitag, 25. April, ab 20 Uhr erfolgreich am Dom zu Speyer durchgeführt wurde. Beteiligt waren die Freiwillige Feuerwehr Speyer, das DRK Speyer, die Schnelle Einsatzgruppe der Stadt Speyer sowie Vertreter und Mitarbeiter des Domkapitels. Insgesamt etwa 100 Menschen mit mehr als zehn Rettungsfahrzeugen probten den Ernstfall, der hoffentlich nie eintreten wird.

Die Übung beginnt um 20 Uhr mit dem Funkspruch eines Dom-Besucherbegleiters: „Im Südwestturm brennt es. Alles ist verraucht (…) Ich höre Schreie und lautes Husten“. Ein Kollege, der unten an der Kasse sitzt, nimmt den Funkspruch entgegen und wählt die 112. Über Telefon wird auch Dompfarrer Matthias Bender als Vertreter des Domkapitels verständigt und eilt an den Ort des Geschehens.

Wenige Minuten später treffen die ersten Rettungsfahrzeuge am Dom ein. Beinahe zeitgleich sind die ersten Eltern vor Ort. Ihre Kinder hatten sie über ihre Handys vom Turm aus alarmiert. Ein Vater versucht panisch nach oben zu gelangen. Zwei Feuerwehrmänner fangen ihn ab und übergeben ihn in die Obhut eines Notfallseelsorgers.

 In der folgenden Stunde laufen die Rettungsarbeiten unter Hochdruck. Von der Brandbekämpfung und der Bergung der Verletzten bis hin zur Erstversorgung und dem Abtransport. Beobachtet wurde das Geschehen von einigen Schaulustigen, die sich besorgt nach dem Grund für das Großaufgebot erkundigten.

Begonnen hatte die Übung inmitten eines Wolkenbruchs. Domkapitular Bender weiß: „Klar, wenn es am Dom brennt, dann schickt der liebe Gott Regen“.

Geleitet wurde die Übung von Stadtfeuerwehrinspekteur Micheal Hopp. Mit dem Verlauf der Großübung war er an deren Ende gegen 22 Uhr sichtlich zufrieden: „Heute werden einige Feuerwehrmänner gut schlafen“, resümiert er den Einsatz. Mit etwas Abstand werde der Ablauf dann nochmal mit Vertretern aller Beteiligten durchgesprochen, um zu sehen, wo noch Optimierungspotential sei.

Rund 50 Feuerleute, 30 Mitarbeiter von DRK und Schneller Einsatzgruppe und mehr als 20 Verletzte, dargestellt von Mitgliedern der Jugendfeuerwehr sowie deren Eltern, waren an dem Szenario beteiligt.

Die Aufgabe, die an die Retter gestellt wurde, war denkbar schwierig: Durch den Rauch war die Lage lebensbedrohlich und unübersichtlich. Mehrere Verletzte mussten von verschiedenen Ebenen des Aussichtsturms und von der Zwerggalerie geborgen werden. Aber das Notfallkonzept ging auf und alles fügte sich ineinander. Ein Rettungssanitäter erklärte dies so „Dafür sind wir ausgebildet. Wir arbeiten nach Plan“.

Dr. Jens Dietrich, ärztlicher Leiter des Notarztstandortes, zog eine positive Bilanz des Einsatzes. 21 Personen mit unterschiedlichen Verletzungs- und Betroffenheitsgraden waren zu versorgen. „Die Übungsinhalte sind uns gut gelungen“, lautete Dietrichs Fazit. Dinge, die am Anfang im Hinblick auf Rettungseinsätze am Dom noch Kopfzerbrechen bereitet hätten, seien dank guter Vorbereitung nun auch gut bewältigt worden. Aber auch die Improvisation vor Ort sei gelungen

„Wir haben den Einsatzkräften vorher nicht alle Details verraten und ein paar Überraschungen mit eingebaut“, schilderte Dietrich.

Von Seiten des Doms nahm der Leiter des Besuchermanagements, Bastian Hoffmann, an der Übung teil. Er ist es, der zusammen mit seinen Mitarbeitern im täglichen Ablauf für die Sicherheit der Dombesucher zuständig ist. Als Vertreter des Bistums war der Leiter des Referats für Arbeitssicherheit, Peter Ruffra, vor Ort und konnte sich als Beobachter einen Eindruck vom reibungslosen Ablauf der Rettungsübung machen.

Die psychosoziale Notfallversorgung übernahmen Diakon Hartmut von Ehr und Pastoralreferent Olaf Riebes. Ihre Aufgabe war es, die Einsatzkräfte und notfallbetroffene Personen sowie Patienten, Angehörige, Augenzeugen und Ersthelfer zu betreuen. Hier kümmerten sie sich insbesondere um die aufgeregten Eltern, die sich um ihre Kinder sorgten.

Mit Eröffnung des Kaisersaals und der Aussichtsplattform im Jahr 2012 ist der Dom als Übungsort priorisiert worden. Im letzten Jahr hatten zwei Übungen stattgefunden. Mitte 2013 gab es den ersten echten Notfall, bei dem eine Frau auf der Aussichtsplattform kollabierte und liegend gerettet werden musste. Ende des Jahres wurden die letzten Bauzäune vom Dom entfernt, so dass nun noch einmal unter veränderten Bedingungen ein Einsatz gefahren wurde.

 Am Ende der großen Rettungsübung versammelten sich alle Beteiligten in der Vorhalle des Doms. Hier bedankte sich Stadtfeuerwehrinspekteur Hopp bei den Mitwirkenden und bei Domkapitular Bender „für die Möglichkeit, hier am Dom üben zu dürfen.“ Bender lobte seinerseits die Leistung der vielen zumeist ehrenamtlichen Einsatzkräfte und dankte für ihr Engagement. Der Zeitpunkt der Übung war gewählt worden, um nicht mit deren Arbeitszeit in Konflikt zu kommen.

Am Ende dieses verregneten Freitagabends am Dom sah man in eine Menge erschöpfter aber zufriedener Gesichter.  (is)

 

 

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