Freitag, 05. Juni 2020

PEX-Interview: Rap und Aikido in Germersheim – „Down Low“ produzieren neues Album

14. Mai 2013 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim, Leute-Regional, Musik regional, Regional

Joe Thompson (li.) und Mike Dalien sind begeisterte Kampfsportler. Foto: Licht

Germersheim – Ihren größten Hit hat nahezu Jeder noch im Ohr: Mit der Coverversion des Hooters-Songs „Johnny B.“ erhielten Down Low 1998 ihre erste Goldene-Platte und schafften es in die Top-Ten der deutschen Charts.

Down Low: Feuerwerk auf der Bühne. Foto: Down Low

Down Low mit Joe Thompson (Rapper) und Michael Dalien (Sänger) gelten als Mitbegründer des europäischen Hip-Hop. Mit Songs wie „Once Upon A Time“ oder „Moonlight“ knüpfte die Band in ihre Erfolge an – und erhielt den Award für 1 Million verkaufte Singles.

Im Augenblick arbeiten Thompson und Dalien an einem neuen Album, das voraussichtlich gegen Jahresende erscheinen soll. Ganz besonders soll es werden – und anders: Inspiriert von ihrem Hobby, dem Aikido. Die beiden Musiker trainieren den Samurai- Kampfsport in Germersheim im Aiki-Dan-Do e.V.

Dort traf der Pfalz-Express Joe Thompson und Mike Dalien zum Interview.

PEX: Was führt zwei berühmte Musiker in Germersheim?

Joe: Ich lebe in Rülzheim mit meiner Lebensgefährtin. Früher wohnte ich in Köln, dort haben wir uns kennengelernt. Die Musikindustrie verlagerte sich damals von Köln nach Berlin und so gab es keinen Grund mehr, dort zu bleiben. Deshalb bin ich mit meiner Freundin in die Südpfalz gezogen.

 Ich liebe die Gegend hier, es ist so schön ruhig, die Landschaft ist wundervoll.

Mike: Ich lebe mit meiner Familie im Schwabenland und habe einen zweiten Wohnsitz in Mannheim. Nach Germersheim komme ich, um mich mit Joe zu treffen, an unserem Album zu arbeiten – und natürlich zum Trainieren.

Wo produziert Ihr Eure Alben?

Joe: Das ist ganz unterschiedlich – von München bis Hamburg. Da, wo die Produzenten eben ihre Studios haben, deutschlandweit.

Seid ihr immer noch zu zweit?

Joe: Wir haben eine dritte Person, einen DJ, der die Musik abspielt. Er unterstützt uns auch am Mikro und ist ein sehr guter Rapper. Wenn es zwischen den Songs mal einen kleinen Break gibt, unterhält er weiter das Publikum. Aber die Basis sind Mike und ich.

Woher kommt der Name Down Low?

Mike: Das war ein geflügeltes Wort in den Neunzigern: Keep it down low, das bedeutet in etwa, das soll unter uns bleiben.

Joe: Ja, die Musik zwischen den Fans und uns, etwas das uns verbindet, aber sonst keinen etwas angeht.

Dürfen wir schon was wissen über Eurer neues Album?

Joe: Wir haben natürlich nach wie vor unser Repertoire an popular music, aber das Projekt, an dem wir jetzt arbeiten – da wollen wir die fernöstlichen Strömungen aufnehmen. Wie sind beide kampfsportbegeistert. Das neue Album wird sehr vielseitig. Wie nehmen schon Hipphopp, Elektric-Music und Pop mit rein. Aber in diesem Projekt gibt es auch eine ruhige Seite. Es geht um Meditation, Disziplin, Selbstbewusstsein, inneren Frieden.

Mike: Wollen positive Botschaften vermitteln, nicht wer die meisten Mädels hat, die meiste Kohle, die meisten Menschen erschießt. Diese Zeiten sind vorbei. Ich habe zwei Kinder – das ist keine Botschaft, die ich vermitteln will. Eher das aktuelle Geschehen kritisch zu beleuchten und unsere Sicht der Dinge darlegen. Quasi: „Everyday live“.

Joe: Mein Part ist der Rapp – und da soll Bewusstwerdung einfließen, die Abkehr von Hektik und Stress, seelische Erholung. Wir reden Dinge, die uns bewegen.

Wie weit seid Ihr mit dem Album momentan?

Mike: Auf einen festen Termin können wir uns noch nicht festlegen. Wir haben einige Songs gemacht, aber ob wir alle verwenden, ist noch nicht klar. Wir haben keinen Druck, dass wir im Schnelldurchgang fertig sein müssen.

Joe: Manchmal machen wir 25 Songs, es kommen aber nur die besten 15 drauf. Aber 2013 ist auf alle Fälle angedacht.

Joe, du bist in Gary, Indiana, geboren. Ihr seid sehr oft umgezogen, als du klein warst. Warum?

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich klein war. Ich bin bei Onkels, Tanten und Großeltern aufgewachsen. Ich konnte nicht viele enge Freundschaften schließen, ständig gab es eine neue Umgebung und neue Leute. Das hat es mir aber auch leicht gemacht, hierher nach Deutschland zu kommen. Ich vermisse zwar meine Familie in den USA, aber kein enges Umfeld aus Freunden.

Du bist Anfang der 90er zur Army gegangen…

Zuerst war ich nicht direkt in der Army, sondern in der „National guard“. Nun, wenn man in den USA groß wird, wird man ziemlich bombardiert mit Commercials á la „Komm ich die Army“, das begegnet einem da auf Schritt und Tritt. Als ich damals in Michigan lebte, wollte ich mein Leben verändern – es gefiel mir nicht, wie es damals gelaufen ist. Und so bin ich zum Militär. Dabei kommt man schon rum. Japan, Deutschland, Saudi-Arabien, Irak.

Wie hast du die Erlebnisse aus dem Krieg verarbeitet?

Eigentlich ganz gut. Ich habe kein PTMS (Posttraumatisches Belastungssyndrom). Nur bei plötzlichen lauten Geräuschen, Notarzt- oder Feuerwehrsirenen – da zucke ich noch immer etwas zusammen.

Wann war der Zeitpunkt, als du sagtest, ich will Musik machen?

Als ich in Saudi Arabien war, begann ich, meine Gedanken und Gefühle poetisch aufzuschreiben. Dann kam die Musik dazu. Und der Tanz. Seither mache ich Musik und werde es immer tun.

Wieso hast du dir Deutschland als zweite Heimat ausgesucht?

Deutschland fand ich großartig. Eine tolle Natur, ich hatte noch nie zuvor so viele Bäume gesehen. Außergewöhnlich, gerade wenn man in amerikanischen Großstädten groß geworden ist (lacht). Und so bin ich wieder hierher gekommen.

Und dann ging´s los mit der Musik?

Ja. Ich hatte damals Kumpels, die in der Musik erfolgreich waren: Captain Hollywood, fun factory usw. Ich fing mit Rap an. Der Rest ist bekannt.

Was machst du sonst noch gerne? Was sind deine Hobbys?

Ich laufe. Meistens eine Halbmarathondistanz, so etwa 25 Kilometer. Da draußen in der Natur kann man wunderbar Stress abbauen. Außerdem will ich ein Meister des Aikido werden.

Hast du Kinder?

Ich habe eine 18-jährige Tochter, sie lebt bei ihrer Mutter in den USA. Sie macht dieses Jahr ihren Highschool-Abschluss und geht dann auf´s College. Ich bin sehr stolz auf sie. Wir telefonieren und mailen viel miteinander.

Michael, du bist hier geboren?

Ja, in Groß- Gerau in der Nähe von Frankfurt. Mein Vater war in der Army, deshalb sind auch wir viel umgezogen. Von Norddeutschland nach Süddeutschland, auch mal in die USA. 1988 sind wir nach Heidelberg gekommen, dort habe ich den Großteil meiner Jugend verbracht, bis ich dann nach Köln gezogen bin. Jetzt lebe ich mit meiner Familie im Schwabenland, sehr ländlich.

Was machst du sonst noch außer Musik?

Ich bin in einem Konzern als Keye-Account-Manager tätig. Neben Aikido trainiere ich mit meinem Zwillingsbruder in Heidelberg WingTsun, das ergänzt sich mit anderen Kampfsportarten wie Aikido sehr gut. Nun, und dann habe ich ja auch noch zwei Töchter (lacht); die beiden sind 10 und 11 Jahre.

 PEX: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

 Sensei Daniel verriet übrigens bereits vorab, wie schön das neue Album werden würde: Der Geist der Samurai fließe mit ein, exzellenter Gesang und fließende Bewegungen machten das Album zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. (cli)(Fotos:Franzen/Licht)

Down Low on stage

Training

 

 

 

 

 

 

 

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