Montag, 09. Dezember 2019

Neujahrsempfang in der Südpfalz-Kaserne: Traditionserlass der Bundeswehr im Zeichen von Freiheit und Demokratie

18. Januar 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional
Über 100 Gäste kamen zum Neujahrsempfang in das Pfalz-Kasino. Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht Fotostrecke am Textende

Über 100 Gäste kamen zum Neujahrsempfang in das Pfalz-Kasino.
Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht
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Germersheim: Der Saal im Pfalz-Kasino war rappelvoll bei der Neujahrs-“Premiere“ von Kommandeur Oberstleutnant Martin Hess. Er führt das Luftwaffenausbildungsbataillon seit Oktober letzten Jahres.

Fremd sind ihm die Region und die Kaserne allerdings nicht – in Speyer hat der jetzt 44-Jährige die Grundschule und die ersten Jahre des Gymnasiums besucht. 1998 kehrte er nach „einigen Jahren Entzug von der Südpfalz“ zurück und leistete als Oberleutnant Dienst in Germersheim.

Beim Neujahrsempfang einschließlich der sicherheitspolitischen Veranstaltung, bei der der Kommandeur über Ziele und Änderungen bei der Bundeswehr spricht, tummelten sich militärische Würdenträger, Kommunalpolitiker und Freunde und Unterstützer des Bataillons.

Neben den Rückblick auf das letzte Jahr (unter anderem mit dem Besuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen) sprach Hess über die weiter anstehenden Sanierungen: „Die Kaserne ist eine Großbaustelle.“ Dass die Unterkunftsgebäude 4 und 5 noch in diesem Monat fertig werden, schien beim Kommandeur leichte Skepsis hervorzurufen. “Ich wünsche viel Glück“, witzelte er.

Geplant ist noch, dass die beiden Gebäude 3 und 6 daneben umgebaut und saniert werden sollen. Ein neues Sanitäts-Versorgungszentrum wird gerade hinter dem Kasino errichtet. Die Planung sieht vor, dass es noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll.

Viele Rekruten und Lehrgangsteilnehmer

An den Standorten Germersheim und Roth wurden im vergangenen Jahr etwa 1.500 Rekruten erfolgreich durch die Grundausbildung geschleust, circa 3.600 Lehrgangsteilnehmer (vorrangig Luftwaffenangehörige) auf den Einsatz vorbereitet und etwa 300 armenische Armeeangehörige geschult. Diese Ergebnisse sprächen für sich, sagte Hess.

Auch 2018 werde voraussichtlich wieder ein Jahr „ohne lange Atempause“ mit hoher Auslastung der Grundausbildung und Lehrgangsteilnehmer-Zahlen in der Einsatzvorbereitenden Ausbildung.

„Also keine Angst, die Auftragslage ist somit weiterhin richtig gut – wir werden niemanden entlassen müssen“, scherzte Hess. Bei der „Trendwende Personal“ sei nach Jahren des Abbaus nun den Hebel umgelegt in Richtung Umbau und Aufbau.

Traditionserlass wird überarbeitet

Hess ging auch auf die Vorkommnissen in Pfullendorf (Entwürdigende Aufnahmerituale), Sondershausen (Verbale Erniedrigung und körperliche „Strafen“ in der Ausbildung) und in Illkirch (Franco A./möglicher Rechtsextremismus) ein.

In der Folge wurde die Bundeswehr von Verteidigungsministerin Leyen angewiesen, über das Traditionsverständnis der Truppe nachzudenken.

Die „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr“ stammen aus dem Jahr 1982. Die Rahmenbedingungen hätten sich seither jedoch in einem Maße verändert, dass eine Überarbeitung notwendig erscheine, sagte Hess.

Dazu wurden fünf Workshops mit anschließender Diskussion durchgeführt, deren Erkenntnisse in die Anpassung des Traditionserlasses einfließen sollen.

Der bestehende Traditionserlass werde im Grundsatz auch weiterhin Bestand haben, aber angepasst, modernisiert und möglicherweise von Details entfrachtet, erläuterte Hess. Klar bleibe auch, dass die Wehrmacht auch weiterhin nicht traditionsstiftend für die Bundeswehr sein könne.

Freiheitlich-demokratische Werte im Fokus

Im neuen Entwurf des Traditionserlasses stehen demokratische Werte im Fokus. Hess zählte auf:

„• Der Bezug zu demokratischen Werten, dem Grundgesetz, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sowie zu Menschenrechten und Völkerrecht.

• Die soldatischen Tugenden wie Treue, Tapferkeit oder Gehorsam, die nicht zu trennen sind von den politischen Zielen, denen sie dienen.

• Dass nur soldatisches Selbstverständnis mit Wertebindung, das sich nicht allein auf ein handwerkliches Können im Gefecht reduziert, sinnstiftend sein kann.

• Zentraler Bezugspunkt für die Traditionspflege in der Bundeswehr sind die eigene Geschichte und die Leistungen der Soldaten der Bundeswehr.“

Weitere Traditionsmerkmale der eigenen Geschichte seien unter anderem das Dienen in Freiheit, multinationale Einbindung oder humanitäre Hilfeleistungen.

Künftig soll auch historische Bildung zu den soldatische Schlüsselqualifikation zählen. Objekte, Bilder, Darstellungen früherer Streitkräfte dürfen zur Ausbildung oder Ausschmückung dienen, müssen jedoch in den historischen Kontext eingeordnet werden.

Objekte der Wehrmacht oder der NVA sind außerhalb von Sammlungen nur nach Genehmigung der Disziplinarvorgesetzten und bei Bezug zur Einheit oder bei gegebenem persönlichen Bezug erlaubt, erläuterte der Kommandeur.

Neue Kompanie in Roth

Auch personell stehen Änderungen an. Die Chefin des Stabs- und Versorgungszugs, Hauptmann Sandra Frauendorf, wechselt nach Köln und in Roth soll neben der 7. Kompanie eine weitere Grundausbildungskompanie aufgestellt werden.

Für die Musikalische Unterhaltung beim Neujahrsempfang sorgte das Bläserquintett des Musikkorps des Heeres aus Koblenz. (cli)

Events/Termine

3. März: Standortball in der Stadthalle

15. März: Gelöbnis im Stadtpark Fronte Lamotte, Gelöbnisredner: Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD)

29. Mai: Festungsschießen

14. Juni: Gelöbnis vor dem Bruchsaler Schloss

13. Oktober: Oktoberfest in der Südpfalz-Kaserne

 

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