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Massive Zunahme des Eisenbahngüterverkehrs im Kreis Germersheim geplant – 42 neue Güterzüge pro Tag bis 2030?

20. Januar 2015 | Kategorie: Kreis Germersheim, Politik regional

Der Bahnhof in Wörth.
Foto: pfalz-express.de

Kreis Germersheim  – Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Martin Brandl (CDU) fand unlängst ein Gespräch mit dem Konzernbevollmächtigten für Rheinland-Pfalz der Deutschen Bahn, Jürgen Konz statt. Dabei wurde deutlich, dass beabsichtigt ist bis spätestens 2030 rund 40 Güterzüge pro Tag durch den Landkreis Germersheim fahren zu lassen.

Die Bahnvertreter erläuterten den Stand der Planungen für die sogenannte „Kleine-Pfalz-Lösung“. Um bis 2030 die Kapazitätszuwächse im Güterverkehr zwischen Rotterdam und Genua bewältigen zu können, baut die Deutsche Bahn die rechtsrheinische Strecke vierspurig aus.

Zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe bliebe die Strecke aber weiter zweispurig – ein Kapazitätsengpass für die Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus.

Da es laut DB schwierig sei diese Strecke auszubauen, hat sie die Dammerstocker Kurve für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Diese sieht im Wesentlichen den Ausbau einer neuen Zugtrasse von der Eisenbahnbrücke bei Wörth zum Karlsruher Stadtteil Dammerstock vor. Diese Verbindung würde es Güterzügen ermöglichen den Hauptbahnhof Karlsruhe zu umfahren.

Würde die Kurve gebaut, wäre der Weg frei, Güterverkehr über Ludwigshafen, Speyer, Germersheim und Wörth nach Süden und umgekehrt laufen zu lassen.

Die notwendige Kapazität beschreibt die rheinland-pfälzische Landesregierung mit 42 Güterzügen pro Tag. Gut die Hälfte dieser Züge würden nachts verkehren – das entspräche drei Güterzügen pro Stunde.

Martin Brandl sieht in diesem Szenario eine massive Gefährdung der Entwicklungschancen im ganzen Kreis Germersheim. Da die Bahntrasse längs durch den Kreis Germersheim verläuft und etliche Orte tangiert oder durchschneidet, seien die Lärmauswirkungen massiv.

Auch der höher liegende Bahndamm beispielsweise in Rülzheim oder Bellheim würde zu einer massiven „Verlärmung“ der tiefer liegenden Orte führen.

„Die weitere Lärmreduzierung durch die neuen Stadtbahnfahrzeuge wäre auf einen Schlag ad absurdum geführt“, so Brandl. Geplante neue Baugebiete in den Orten könnten von der Entwicklung negativ betroffen sein. Auch die Orte selbst könnten viel an Lebensqualität verlieren. Ein schwacher Trost sei es, wenn bis zur Realisierung dieser Güterverkehre wohl nur noch lärmreduzierte Güterzüge in Deutschland eingesetzt werden könnten. „Eine verbindliche Regelung dafür fehlt aber bisher.“

Auch an einen weiteren Ausbau des Stadtbahntakts sei nach Meinung des Landtagsabgeordneten in diesem Fall nicht mehr zu denken. Zwar geht die rheinland-pfälzische Landesregierung nicht davon aus, dass zusätzlicher Güterverkehr eine Ausweitung des Taktes behindern würde, aber die Deutsche Bahn sieht diese Möglichkeit sehr wohl.

Ein weiterer negativer Aspekt wären die zusätzlichen Verkehrsbehinderungen durch geschlossene Bahnübergänge, die über 40 neue Züge mit sich brächten.

„Ich bin über diese Entwicklung in brennender Sorge“, so Brandl. Zwar sei es prinzipiell richtig, dass mehr Güter über die Schiene transportiert würden, aber die Situation sei so, „als ob ohne zu fragen plötzliche eine neue Autobahn quer durch die Orte gebaut würde.“

Es stelle sich nun eine Reihe von Fragen. Insbesondere stellt sich die Frage nach den Alternativstrecken, um den Güterverkehrszuwachs abwickeln zu können: „Warum soll es nicht machbar sein, eine bestehende Güterverkehrsstrecke in Karlsruhe vierspurig auszubauen, zumal die dortige Landesregierung den Ausbau ebenfalls im Bundesverkehrswegeplan angemeldet hat? Inwiefern gibt es die Möglichkeit auf aktiven und passiven Lärmschutz auf der Strecke? Inwiefern gibt es Möglichkeiten den Güterverkehrslärm in Zukunft deutlich zu reduzieren?“

Der Landrat des Kreises Germersheim, Dr. Fritz Brechtel, der an dem Gespräch mit der Deutschen Bahn ebenfalls teilnahm, und der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart sagten nach dem Gespräch Unterstützung zu, um dieses Szenario noch abwenden zu können.

Gebhart hat sich in einem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium gewendet und um weitere Auskünfte gebeten. Fritz Brechtel kündigte in diesem Zusammenhang schon eine erste Bürgermeisterdienstbesprechung an. „Die kommunale Familie muss angesichts dieses Szenarios zusammenstehen“, so der Landrat.

Auch die Landtagsabgeordneten Christine Schneider (für Lingenfeld) und Axel Wilke (Speyer) zeigten sich nach dem Gespräch betroffen. Beide kündigten an eine breite Interessensgemeinschaft von Ludwigshafen bis Wörth unterstützen zu wollen, um zum Wohl der ganzen Region die Pläne nicht Realität werden zu lassen.

Die CDU-Politiker wollen sich nun mit allen Möglichkeiten darum kümmern, zeitnah die offenen Fragen zu klären und diese Bedrohung für die Lebensqualität und die Zukunftschancen für die Region entlang des Rheins zu minimieren. (red)

 

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Ein Kommentar auf "Massive Zunahme des Eisenbahngüterverkehrs im Kreis Germersheim geplant – 42 neue Güterzüge pro Tag bis 2030?"

  1. Jan Henning sagt:

    „Warum soll es nicht machbar sein, eine bestehende Güterverkehrsstrecke in Karlsruhe vierspurig auszubauen, zumal die dortige Landesregierung den Ausbau ebenfalls im Bundesverkehrswegeplan angemeldet hat?“

    Weil die Strecke Graben-Neudorf – Karlsruhe durch mehrere Ortschaften (Friedrichstal, Blankenloch, Karlsruhe-Hagsfeld) führt, in denen für die einfachste Variante – zwei zusätzliche Gleise neben die bestehende Strecke zu bauen – kein Platz mehr da ist. Was an Platz noch relativ einfach zu nutzen ist, ist bereits seit längerem durch die Stadtbahnlinie nach Karlsruhe belegt. Man müsste also stellenweise eventuell die Stadtbahnlinie verlegen (= kompletter Neubau in dem Abschnitt), und es blieben trotzdem noch einige Engstellen übrig, wo wahrscheinlich nur mit Abriss ausreichend Platz zu schaffen wäre. Da die direkten Alternativen auch keine Wunderlösung darstellen (Tunnellösungen wären dementsprechend teuer, eine komplett neue Trasse außerhalb der Orte ist planungsrechtlich auch nicht einfach umzusetzen), ist es nur natürlich, sich auch den Ausbau anderer, bereits bestehender Strecken, ggf. in Kombination mit kleinen Lückenschlüssen, anzusehen.