Sonntag, 04. Dezember 2016

Leserbrief aus Bayern zur Freckenfelder Flüchtlingsunterkunft: „Auf Fremde zugehen – Gastfreundschaft bewahren“

26. Oktober 2015 | 5 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Leserbriefe und Kommentare

Leserbrief zu: Ungeliebte Gäste: Freckenfelder Bürger mehrheitlich gegen Sammelunterkunft für Flüchtlinge in der Gräfenberghalle

http://www.pfalz-express.de/ungeliebte-gaste-freckenfelder-burger-mehrheitlich-gegen-sammelunterkunft-fur-fluchtlinge-in-der-grafenberghalle/

Liebe Freckenfelder,

als Nichtpfälzer bin ich seit mehr als 30 Jahren regelmäßig zu Besuch in Freckenfeld. „Die Pfälzer“ habe ich immer für ihre, wie ich meine, ehrliche Art untereinander und mit „Außenstehenden“ umzugehen bewundert.

Hilfsbereit, redselig (nicht nur in der Weinstube oder beim Weinfest) und immer ein „offenes Hoftor“ zu haben (auch wenn die meisten entlang der langen Hauptsraße immer geschlossen sind), aber eben nicht verschlossen, so kennen ich und meine Familie eure Leute und euer Dorf. Und nun das: ich lese ich in der Zeitung im Internet, „die Freckenfelder“ hätten Angst vor ein paar Flüchtlingen. Angst, dass sie sich mit Nichtstun die Zeit totschlagen müssen (ich kenn mindestens 50 Freckenfelder, die das Gleiche tun).

Angst, dass sie sich nicht richtig benehmen können (solche, „auch Pfälzer“ treffe ich auf jedem Weinfest und manchmal auch in der Weinstube). Angst vor was …???

Macht euch doch nicht selber vor Angst in die Hose! Was macht ein kleines Kind, ein Tier, eine Katze zum Beispiel, wenn es Angst hat! Es besiegt die Angst mit Neugier und es lernt das „unbekannte Wesen“ kennen.  Und es lernt dabei fürs Leben und auch damit zu überleben.

Geht doch auf die fremden Menschen zu! Fragt sie, wie, was, wann, wer sie sind! Seid neugierig auf „was Neues“. Bittet sie um Hilfe!

Vielleicht auch nur um Kleinigkeiten, euch zu helfen, im Garten, im Haushalt, im Sportverein, im Weinberg. Oder bittet sie, dass sie euch mal begleiten, nur so, um euch, euern Ort, euer Land und eure Gastfreundschaft kennen zu lernen. Die habt ihr doch!? Oder habe ich mich 30 Jahre lang getäuscht? Gilt die Gastfreundschaft nur für einige wenige?

Für diese Menschen, die bei euren Winzern ein paar Flaschen Wein, bei euren Metzgern einen Saumagen oder Leberwurst, an der Straße Obst, Kartoffeln usw. oder bei einem Daimlermitarbeiter ein Auto kaufen?

Sicher nicht. Und noch was: ihr werdet Euch wundern, wie gut ihr Euch persönlich dabei fühlt, wie bereichert und positiv „euer Dorf“ davon sein wird. Ihr werdet, wenn ihr es richtig anpackt, alle davon profitieren.

Wenn ich mich nicht täusche, leben in vielen Freckenfelder Häusern viele Menschen nur alleine. Auch dies zu ändern, wäre eine Chance für alle (nicht nur in Freckenfeld). Dass die verantwortlichen Politiker auch schnellstens neue Wege gehen müssen, um das Eine oder Andere zu ermöglichen, ist dringend notwendig. Wenn sie es nicht tun, sind ihre Amtszeiten sehr schnell beendet. Egal ob in Rheinland Pfalz, Berlin, Freckenfeld oder in Bayern, wo ich dahoam bin.

Und ich bin sicher, ihr schafft das.

Wir alle schaffen das, uns bleibt auch nichts anderes übrig.

Was wäre die Alternative: PEGIDA? Wer marschiert vorne weg? Seht genau hin! Es sind Menschen mit der gleichen Gesinnung wie heute vor 80 Jahren, die Missgunst, Neid und Hass säen, deren Menschenverachtung, diese hat einmal über 50 Millionen Tote geforderte und verkürzt dargestellt im Endergebnis die DDR hervorbracht.

Menschenverachtung kann man nicht teilen. Sie verachten heute die „Fremden“ anderer Kulturen, morgen unsere Nachbarn und übermorgen dich.

Josef Eger

 

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5 Kommentare auf "Leserbrief aus Bayern zur Freckenfelder Flüchtlingsunterkunft: „Auf Fremde zugehen – Gastfreundschaft bewahren“"

  1. Spassbremse sagt:

    Hallo Josef, tja, was soll ich dazu sagen, ohne Dein in Jahrzehnten mühsam aufgebautes Bild über uns Freckenfelder nicht zum Einsturz zu bringen. Ne, bringt nix, Reality Check ist angesagt. Der Gemeinderat hat sich gestern mit überwältigender(!) Mehrheit gegen die Nutzung der Halle als Sammelunterkunft entschieden, und hat damit die Meinung der einheimischen Bevölkerung überdeutlich wiedergespiegelt. Schockierend, was? Mal ganz im Ernst, wieviel Weizenbier hattest Du intus, als Du diesen geistigen Dünnpfiff verfasst hast (z.B. der Vergleich mit einer Katze…das kannst Du einfach nicht ernst meinen…ich musste ehrlich mit Würgereiz kämpfen)? Die aktuelle Flüchtlingspolitik ohne jegliche Grenzen und Kontrolle bereitet mir große Sorgen, das ist korrekt. ANGST machen mir Leute wie Du, die weiterhin die hohlen Phrasen unserer politischen Führung vor sich hin stammeln („Und ich bin sicher, ihr schafft das“ „Wir alle schaffen das, uns bleibt auch nichts anderes übrig“), anstatt sich zur Wehr zu setzen. Sehenden Auges in die Katastrophe…sogar Lemmingen müsste man hierfür eine Gehirnwäsche verpassen.
    Stichwort Politiker – „Wenn sie es nicht tun, sind ihre Amtszeiten sehr schnell beendet“. Na, das würde mich aber ÄUSSERST schwer treffen, wenn die Politik des „am Volke vorbei regieren“ ein Ende hätte!
    Und immer wieder diese kläglichen Versuche, die Zeit des zweiten Weltkriegs zitieren…das ist SIEBZIG Jahre her! Die gerne zitierten „ewig Gestrigen“ in unserer Gesellschaft, das sind in meinen Augen Leute wie Du!
    Deine Frage nach politischen Alternativen, stellst Du Dir die eigentlich auch manchmal? Oder wird, in jahrzehntelanger, lieb gewordener Tradition, das Häkchen, immer und immer wieder, bei der gleichen Partei gesetzt? Auch wenn dadurch weiterhin munter am Volke vorbei regiert wird (ich wiederhole mich da, weiß ich, ist aber wichtig!)?
    Der momentane Zulauf, den AFD/Pegida zu verzeichnen haben, woher kommt der denn Deiner Meinung nach? Das sind Leute, die mit der momentanen Politik nicht einverstanden sind, und das völlig zurecht! Die etablierten Parteien zerstören bzw. spalten gerade durch Ihr Handeln, bzw. durch Ihr Nichthandeln, die politische Mitte der Bevölkerung. DAS ist gefährlich!
    Aber da Du Dich mit diesem Thema anscheinend befasst, sag mir doch mal bitte, wieviel (mehr) Zuwanderung können wir stemmen, ohne das es zu (weiteren) negativen Konsequenzen führt, für alle Beteiligten? Wie lange sollen wir blindlings „Ja und Amen“ im Sinne unserer so gerne zitierten christlichen Nächstenliebe sagen? Wieviel Wasser möchtest Du (noch) in ein Fass ohne Boden schütten?
    Weißt Du, was meiner Meinung nach die schlimmste Stelle in Deinem Brief ist?
    –> „…uns bleibt auch nichts anderes übrig“
    Ich würde das jetzt gerne noch kommentieren, tue dies aber bewusst nicht, ich lasse es einfach in all seiner in meinen Augen erschreckenden Deutlichkeit im Raum stehen. MfG

    • bitte mehr Ehrlichkeit und Direktheit sagt:

      „Der momentane Zulauf, den AFD/Pegida zu verzeichnen haben, woher kommt der denn Deiner Meinung nach? Das sind Leute, die mit der momentanen Politik nicht einverstanden sind, und das völlig zurecht! “
      Darf ich mal für den Kollegen einspringen?
      Die AFD Pegida Bewegung hat in ihrem Ursprung vllt. auch Gutes.
      Viele sind beispielsweise damals wegen der einseitigen und oft falschen Berichterstattung der Presse auf die Straße gegangen.
      Gruppen wie Anonymus sympathisierten mit den Demonstranten bzw. haben dazu aufgerufen auf die Straße zu gehen. Das Motiv der anfänglichen Demonstration war sicherlich kein Schlechtes.
      Nur, ist es denn jetzt nicht transparent genug was für eine Intension die Organisatoren der Pegida Bewegung tatsächlich haben?
      Ist es denn wirklich nicht ersichtlich welches Motiv diese haben, nachdem Stück für Stück jede Hemmung gefallen ist?
      Das sind rechte Rattenfänger, denen jedes Mittel Recht ist Verängstigte auf ihre Seite zu bringen. Und leider gelingt dieses auch!

      Es ist ohne Wenn und Aber eine Katastrophe wenn man ohne jeglichen Bedacht nun Jedem die Tore öffnet, dem es schlechter geht als uns.
      Das sind keine 800K Flüchtlinge, sondern bis Jahresende wohl das 3fache.
      Und es wird nicht mit Anfang nächsten Jahres stoppen,
      Dass das nicht funktioniert und nicht funktionieren kann, das muss Merkel&Co genauso bewusst sein, wie die Tatsache, dass es bei der momentanen Durchflutung nicht möglich ist zwischen Kriegsvertriebenen und anderen Flüchtlingen zu unterscheiden.

      Nur frage ich mich gerade wer schlimmer ist, was Resultat wessen ist.
      Diese furchtbar engstirnige Politik, die nicht über die Folgen nachdenken will und blind menschlich sein will?
      Oder doch diejenigen die nun offen kommunizieren, dass sie lieber Boote absaufen lassen wollen, oder lieber Leute und Kinder auf offener Straße im Winter krepieren lassen wollen?

  2. Lothar Gruber sagt:

    Hallo,

    deinen Beitrag finde ich toll und auf den Punkt gebracht.
    Ich befürchte nur, dass dieser bayerische Freckenfelder das nicht versteht oder nicht verstehen will.
    Brauchen wir in der Südpfalz solche Besucher/Touristen, die unsere guten Tugenden in Frage stellen nur weil die Betroffenen mal ihre Meinung sagen und zum Wohle des Dorflebens handeln? Respekt vor dem Gemeinderat, der die Bürger einbezieht und in ihrem Sinne entscheidet, im Gegensatz zur großen Politik. Soll er doch bleiben wo er herkommt und dort seine Wohnung mit Asylanten teilen. In Bayern gibt es doch auch genügend von denen. Wieviele hat er denn schon beheimatet? Bei welcher Hilfsorganisation ist er denn engagiert um den Flüchtlingen zu helfen? Wieviel hat er denn schon gespendet, der Gutmensch? Oder will er evtl. nur schüren und hetzen?

  3. Kopfschüttler sagt:

    Schlägt er (….) tatsächlich vor das die älteren Herrschaften, die alleine in einem Haus leben, ausziehen und ne Rentner WG gründen damit die Häuser für Flüchtlinge genutzt werden können ?

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