Donnerstag, 14. Dezember 2017

„Konzept ist umsetzbar“: Verkehrsforum Südpfalz widerspricht AVG und ZSPNV bei Sperrung der Rheinbrücke

7. Dezember 2017 | 1 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Politik regional, Regional
BI-Sprecher Burckhardt (re.) und Jäger. Foto: Pfalz-Express

BI-Sprecher Burckhardt (re.) und Jäger.
Archivbild: Pfalz-Express

Südpfalz – Die Bürgerinitiative (BI) Verkehrsforum Südpfalz hat sich zur Stellungnahme der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV) zur Sperrung der Rheinbrücke bei Wörth geäußert.

Der AVG und der ZSPNV-Süd hatte die Vorschläge des Verkehrsforums als „gut gemeint, aber nicht umsetzbar“ verworfen.

Dem widerspricht Hans-Jürgen Burckhardt, Sprecher des Verkehrsforums: Das Konzept sei sehr wohl umsetzbar, betont Burckhardt.

Hier die Begründung im Wortlaut:

„Das Verkehrsforum Südpfalz begrüßt zunächst einmal, dass sich AVG, Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd und DB Netz zusammengesetzt haben, um über die bevorstehende problematische Verkehrssituation im Zuge der Rheinbrückenrestaurierung zu beraten.

Erfreulich ist auch, dass in der gemeinsamen Presseerklärung vom 27.11.2017 zugegeben wird, dass im begrenzten Umfang weitere Zugangebote theoretisch denkbar wären. Allerdings gibt es dort Einwendungen, die einer Realisierung entgegenstehen. Auf diese will das Verkehrsforum Südpfalz im Folgenden eingehen.

  1. Zusätzliche Züge würden in direkter Parallellage zu bestehenden Regionalbahnen der DB und AVG fahren.

Antwort: Wenn die Verantwortlichen die Fahrtzeiten der zusätzlichen Züge kennen, müssen diese dem bestehenden Verkehr angepasst werden oder es muss einzelne Anpassungen der bestehenden Züge geben.

  1. Es wären Anpassungen bestehender Stadtbahnverbindungen dergestalt erforderlich, dass nicht alle Halte zwischen Karlsruhe Hbf und der Rheinbrücke bedient werden könnten.

Antwort: Kein Problem! Wenn zusätzliche Züge fahren, muss nicht mehr an jedem der Unterwegshalte gestoppt werden. Im übrigen schlägt das Verkehrsforum vor, dass während der Brückensanierung nur noch die Stadtbahnlinie S52 bedient wird. Da diese Linie nach der Rheinbrücke die DB-Strecke verlässt, wird der darauffolgende Streckenabschnitt für die anderen Züge frei gemacht. Die AVG spart zusätzliches Personal, Fahrzeuge und Streckennutzungsgebühren ein.

Was die Einwendungen 1. und 2. angehen, kann vom Zweckverband Süd und den betroffenen Eisenbahngesellschaften wohl ein Minimum an Flexibilität erwartet werden!

  1. NVBW und ZSPNV Süd werden parallel prüfen, ob und wieviel zusätzliche finanzielle Mittel für ergänzende Kapazitäten zur Verfügung stehen.

Antwort: Wenn tatsächlich geprüft wird, ob zusätzliche Mittel gebraucht werden, ist zu bezweifeln, ob NVBW und ZSPNV Süd den Ernst der Lage überhaupt begriffen haben. Es wird den verantwortlichen Herren empfohlen, einmal in der Hauptverkehrszeit mit dem Auto über die Brücke zu fahren! Es ist keine Frage des „ob“, sondern des „wieviel“ an finanziellen Mitteln aufgewendet werden muss, um den Pendlern und Reisenden eine komfortable Alternative zum eigenen Auto zu bieten. Da der Staat hierbei seiner Fürsorgepflicht nachkommen muss, ist es die vordringliche Aufgabe der „Besteller“, die notwendige Summe zu ermitteln und diese den Finanziers in Bund und Ländern vorzulegen. Das Verkehrsforum Süddpfalz ist in dieser Angelegenheit schon beim Verkehrsministerium in Mainz vorstellig geworden!

  1. Die Vorschläge des Verkehrsforums seien gut gemeint …sie lehnen sich an die mehrfach erhobenen Forderungen zur grundsätzlichen Änderung der Angebotsstruktur zwischen Wörth und Germersheim an, die jedoch … aus finanzieller, vertraglicher und zum Teil technischer Sichtweise nicht umsetzbar seien.

Antwort: Es ist richtig, dass sich das Verkehrsforum für ein geändertes Verkehrskonzept auf der Strecke Germersheim-Wörth-Karlsruhe einsetzt. Dies macht auch Sinn, da die Fakten ganz eindeutig zeigen, dass diese Strecke gegenüber der Verbindung Landau-Wörth-Karlsruhe gewaltig ins Hintertreffen geraten ist. Und das obwohl zwischen Wörth und Germersheim mehr Menschen wohnen, mehr Industriebetriebe angesiedelt sind, eine größere Haltestellendichte vorhanden ist und die Strecke eine bessere Gesamtinfrastruktur aufweist. Trotzdem fahren auf dieser Stecke nur ca. ¼ der Fahrgäste wie zwischen Landau und Wörth. Die Gründe wurden schon vielfach vorgetragen und müssten auch beim ZSPNV Süd mittlerweile angekommen sein:

  • Es gibt nur in den Tagesrandlagen durchgehende Verbindungen zwischen Ludwigshafen und Wörth. Die Mehrzahl der Reisenden muss in Germersheim umsteigen. Dies ist zum einen beschwerlich und es kommt hinzu, dass die Stadtbahn seit Ihrer Einsetzung vor 7 Jahren fast durchgängig einen unzuverlässigen Dienst erbracht hat, mit der Folge, dass Anschlüsse bis heute verpasst werden und das Image der Stadtbahn einen Tiefpunkt erreicht hat.
  • Die Stadtbahn ist für lange Strecken nicht geeignet und wenig komfortabel. Z.B. können nur wenig Fahrräder mitgeführt werden.
  • Der Stadtbahnverkehr ist erheblich teurer, als der Einsatz der s.g. Vollbahnen, die nur auf DB-Gleisen fahren. Deshalb sind Stadtbahnen nur für begrenzte Fahrten auf DB-Gleisen sinnvoll. Diese Problematik haben die badischen Nachbarkreise längst erkannt und beschlossen, das Stadtbahnnetz in der Peripherie zu verkleinern und statt dessen auf längeren Strecken mit Vollbahnen zu fahren.
  • Das Stadtbahnkonzept zwischen KA und GER wurde mit ca. 60 Mio EUR finanziert und größtenteils öffentlich gefördert. Dies war möglich, da ein durchgängiger Halbstundentakt mit 7 Fahrzeugen geplant war und man damit die erforderliche Rentabilität nachwies. Bei der Realisierung konnten aber nur 3,4 Stadtbahnfahrzeuge angeschafft werden, mit der Folge, dass es derzeit nur einen Stundentakt gibt (außer werktags zwischen 13:00 und 19:00Uhr). Die in die Planung eingegangenen Fahrgastzahlen lassen sich damit nicht realisieren und damit auch nicht die damals ermittelte Rentabilität.

Die Verantwortlichen müssen der Bevölkerung endlich eingestehen, dass sie nicht das bekommen hat, was ihr damals versprochen wurde! Sollte alles beim Alten bleiben, wären Millionen von Steuergeldern verschwendet.

Allerdings müssen bei der notwendigen konzeptionellen Änderungen auch neue Erkenntnisse und Veränderungen der Rechtslage berücksichtigt werden. Aufgrund der Ausschreibungsproblematik im regionalen Schienenverkehr sind im baden-württembergischen Stadtbahnnetz -wie schon dargelegt – zusätzlich Regionalexpressverbindungen geplant.

Dies betrifft im gleichen Maße die Strecke Germersheim-Karlsruhe und eine Lösung käme der vom Verkehrsforum vorgeschlagenen stündlichen Verlängerung der Rhein-Neckar-S-Bahn-Linie 3 über Germersheim nach Wörth / Karlsruhe Hbf sehr nahe. Ein entsprechender Fahrplanentwurf ist vorhanden und wurde auch der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Machbarkeit wurde in einem Schreiben der DB im August vergangenen Jahres ausdrücklich bestätigt.

Außerdem wird zum Fahrplanwechsel 10. Dezember 2017 ein solcher Zug, aber nur ein Einziger und auch nur bis Wörth, fahren. An der Stadbahn selbst wird natürlich weiter festgehalten. Diese soll im Zuge der Brückensanierung noch zusätzliche Leistungen erbringen. Hierzu der Vorschlag:

  • Der derzeitige Eilzug wird über den ganzen Tag mit allen Unterwegshalten weitergeführt, dabei zeitlich etwas versetzt. Die stündliche Stadtbahn bleibt weiterhin erhalten. Alle Stadtbahnen werden wie schon begründet ab der Rheinbrücke auf die Straßenbahntrasse geleitet. Ein Fahrplanvorschlag hierzu wird vom Verkehrsforum nachgereicht.

Insgesamt ergibt sich die große Chance, dass aufgrund der zu erwartenden zusätzlichen Mittel, die Strecke Germersheim-Wörth sowohl in Qualität als auch in Quantität aufgewertet werden kann. Dies erhöht die Attraktivität, steigert das Fahrgastaufkommen nachhaltig und wird zu einer spürbaren Entlastung der Brückensituation beitragen.

  1. Darüber hinaus wird zu betrachten sein, ob das hierfür erforderliche zusätzliche Fahrzeugmaterial und Personal zur Verfügung steht.

Antwort: Das sollte nun wirklich schnell geprüft werden! Sollte die AVG den Mehrverkehr nicht aufbringen können, wird eine öffentliche Ausschreibung angeregt. Oder man holt sich Unterstützung bei anderen Eisenbahnunternehmen. Es ist die gängige Praxis in Deutschland, dass in solch außergewöhnlichen Situationen sich die Eisenbahnunternehmen gegenseitig mit Material und Personal aushelfen.

  1. Die Detailbetrachtung der Gleisbelegung im Karlsruhe Hbf ist noch nicht abgeschlossen. Insofern soll zunächst die Erhöhung der Kapazitäten der vorhandenen Züge betrachtet werden.

Antwort: Diese Maßnahme bringt fast nichts. Auf der Strecke Landau-Karlsruhe wird schon mit Doppeltraktion bzw. Dreifachtraktion gefahren. Mehr ist da nicht möglich. Für Germersheim-Karlsruhe macht es keinen Sinn, solange die Strecke nicht ertüchtigt wurde, wie in Punkt 4 vorgeschlagen wird. Wesentlich besser geeignet wäre:

  • Weiterleitung der Regionalbahn Lauterburg-Wörth nach Karlsruhe Hbf und Erhöhung der Taktdichte auf mindestens 40 Minuten.

Vergessen werden darf bei alledem nicht, dass auch die Parkplatzsituation zu verbessern ist.

Hierzu schlagen wir vor:

  • Nutzung vorhandener und neu zu erschließender Parkplatzbereiche rund um den Haltepunkt Rheinzabern-Alte-Römerstraße. Alle Züge müssen hier halten!
  • Aufstockung des Parkhauses Wörth-Bahnhof und Ausweisen weiterer Parkplätze in westlicher Richtung, angrenzend an die Bahnhofsparkplätze.

Sollten alle diese Vorschläge weiterhin als gut gemeint aber aus Gründen angeblich kapazitärer Engpässe der Bahnhöfe Wörth, Karlsruhe und der Rheinbrücke (Bahn) abgelehnt werden, wird um genaue Begründung und entsprechende Detailinformationen gebeten.

Das Verkehrsforum Südpfalz fordert alle Verantwortlichen noch einmal auf, alles zu tun, um die zu erwartende Verkehrsmisere ab Sommer 2018 abzuwenden. Das Credo, zusätzliche Züge „ja“, aber nur theoretisch, kann nicht weiter glaubhaft verbreitet werden! Dies bestätigt auch ein Artikel der Badischen Neusten Nachrichten vom 24. August 2016. Auf die Frage an einen DB-Sprecher: „Verkraften Eisenbahnbrücke und Schienennetz mehr Verkehr?“, war die Antwort eines DB-Sprechers ohne Wenn und Aber: „Ja“.

Hans-Jürgen Burckhardt

Sprecher BI Verkehrsforum Südpfalz

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Ein Kommentar auf "„Konzept ist umsetzbar“: Verkehrsforum Südpfalz widerspricht AVG und ZSPNV bei Sperrung der Rheinbrücke"

  1. M. Ahrens sagt:

    Guten Morgen,
    mir stellt sich die Frage ob es sich hier um einen Artikel, eine Stellungsnahme oder einen Leserbrief handelt?
    Unterschrieben ist der Text von einem Mitglied der BI Verkehrsforum Südpfalz……..

    BI Verkehrsforum Südpfalz???
    Wer oder was ist das? Für wen spricht die BI? Wie viele Mitglieder hat die BI? Woher haben die Sprecher der BI ihr Fachwissen?
    Eine Internetrecherche hat darauf keine Antwort geliefert……

    Hier werden Forderungen gestellt die mir Utopisch erscheinen. Zum Beispiel Aufstockung eines Parkhauses und Schaffung von neuem Parkraum. Wer bezahlt das alles? Was passiert damit, wenn die alte Brücke saniert und irgendwann einmal die neue Brücke fertiggestellt ist?
    Sollte man das Geld nicht besser dafür einsetzen, die neue Brücke voran zutreiben?

    Viele Fragen, aber die BI Verkehrsforum Südpfalz hat bestimmt entsprechende Antworten….

    M. Ahrens

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