Freitag, 09. Dezember 2016

Jockgrim: Merkwürdiges Anti-Asylanten-Plakat beunruhigt Bürger und Politik

20. Oktober 2015 | 8 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Plakat in Jockgrim.
Fotos: v. privat

Jockgrim – Seit vergangenem Freitag kann man in Jockgrim in zwei Schaukästen gegenüber der Verbandsgemeindeverwaltung eine Botschaft lesen, gerichtet an „alle Ausländer, Migranten, Asylanten und Begeisterten unseres Sozialsystems“.

Auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund spricht der Verfasser vornehmlich asylsuchende Muslime an. Mit einem nachgeahmten amtlichen Ton wird dabei versucht, das Plakat wie ein offizielle Verwaltungsmitteilung zu erscheinen zu lassen – wenn auch gleich zu Beginn mit einem fetten Rechtschreibfehler (Deutschland, dass Land der Deutschen).

So werden unter der Überschrift „Kulturelles“ Kopfbedeckungen dargestellt – vom reinen Kopftuch bis zur Burka, die je nach „Schweregrad“ mit einem mehr oder weniger dicken roten Balken durchgestrichen sind.

Darunter steht: „Es ist daher in unserem Land völlig darauf zu verzichten“.

Äußerungen über Sozialschmarotzer, arbeitslose Ausländer und Statistiken werden ins Feld geführt, deren Quelle jedoch nicht benannt wird.

Vor Ort weiß man natürlich, wem der Schaukasten gehört. Das eröffnet Raum für Spekulationen, denen der Eigentümer wohl am ehesten ein Ende bereiten könnte. Auf Nachfrage des Pfalz-Express war vorerst niemand zu erreichen.

Die SPD im Kreis Germersheim will das Geschehen indes nicht unkommentiert lassen. In der Summe sei das Ganze am Rande des gesetzlich Zulässigen und durchzogen von einem hetzerischen Unterton. Der unbekannte Schaukasten-Autor maße sich an, im Namen der Deutschen zu sprechen.

Wer hinter alledem stecke, erfahre man aber nicht, so die SPD-Kreisvorsitzende Barbara Schleicher-Rothmund und der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt, Ziya Yüksel.

Gerade aufgrund der aktuellen Herausforderungen im Kontext der Zuwanderung sei es wichtig, offen und konstruktiv alle, auch kritische Meinungen, zu diskutieren: „Pauschale Stimmungsmache und geschürte Ängste jedoch waren schon immer schlechte Ratgeber. Daher lehnen wir diese Verlautbarungen von ihrem Inhalt her ab, nehmen es nicht schweigend hin und finden es feige, dass der Verfasser/die Verfasserin, noch nicht einmal selbst zu seinem/ihrem Pamphlet steht. “ (red)

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8 Kommentare auf "Jockgrim: Merkwürdiges Anti-Asylanten-Plakat beunruhigt Bürger und Politik"

  1. Jerry Buchholz sagt:

    Ich finde es immer wieder Klasse, dass diese Superdeutschen nicht einmal ihre eigene Sprache in Schrift und Wort beherrschen. Schon dadurch deklassieren sie sich komplett und sind nur noch lächerlich. Aber leider hören zu viele auf diese dummen Sprüche. Allein dadurch sind diese Sprücheklopfer eine echte Gefahr für unsere Demokratie und Gift in unserem Zusammenleben.

    • Achim Wischnewski sagt:

      Wer sich über die Rechtschreibung mokiert sollte mit strahlendem Vorbild voran gehen und klasse klein schreiben! Dann könnte er es klasse finden! Ansonsten gehören Sie selbst zurück in die Grundschul-Klasse! 😉 Könnten Sie auch inhaltlich etwas beisteuern? Inhaltlich wendet sich der Verfasser gegen einen radikalen Islam, damit liegt er richtig. Denn der Islam hört nur auf die Sharia, wir jedoch aufs Grundgesetz.

  2. Fischer sagt:

    Dieser „Fall“ wurde heute (21.10.) auch im Lokalteil der RHEINPFALZ abgedruckt – unter voller Nennung von Vor- und Nachnamen, Beruf und Wohnort des Eigentümers der Schaukästen.

    Alleine das schon rechtlich sehr zweifelhaft; offenbar will man mit dieser neuen Form von öffentlich „an den Pranger“ stellen von Privatpersonen jegliche Kritik an Multikulti unterbinden und die Kritiker in ihren Gemeinden ächten und so mundtot machen. Der Betroffene sollte Anzeige erstatten und auch der Bundespresserat dürfte eine solche „Berichterstattung“ prüfenswert finden.

    Das auf privatem (!) Grund hängende Plakat wird übrigens von der Staatsanwaltschaft Landau als „strafrechtlich nicht relevant“ eingestuft. Im Klartext: Legal, in Übereinstimmung mit der Meinungsfreiheit und vom Grundgesetz gedeckt.

    Aber aus lauter Enttäuschung wenden sich nun die Denunzianten an die Presse, um den Eigentümer bzw. möglichen Urheber öffentlich zu ächten, was natürlich dankbar beispielsweise von Herrn Andreas Lapos von der RHEINPFALZ-Redaktion aufgenommen wird, der den Privatmann in seinem Kommentar gleich noch als „Ahnungslos“ (offenbar gefallen die genannten und leicht nachprüfbaren Fakten nicht) und „Schlaumeier“ tituliert, der in der Eifel oder dem Odenwald „alten Frauen in der Kirche die Kopftücher runterreißen“ soll, um dann eine Abreibung zu kassieren. Alleine der Vergleich schon so lächerlich, dass man ihn nicht weiter zu kommentieren braucht.

    Entlarvt haben sich mit dieser Aktion vor allem die SPDler Bürgermeister Uwe Schwind, SPD-Kreisvorsitzende Barbara Schleicher-Rothmund und Ziya Yüksel der, nachdem er im von Türken dominierten „Migrationsbeirat“ nicht mehr wiedergewählt wurde, von seinen Genossen den Vorsitz der neu geschaffenen SPD-AG „Migration und Vielfalt“ zugeschanzt bekommen hat.
    Und es ist ja nicht das erste Mal, daß Herr Yüksel mit Rückendeckung der SPD gegen Islamkritiker vorgeht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

    Sieht man sich die Aktivitäten dieser Gruppierung an, handelt es sich um eine astreine Pro-Islam-Lobby, die der SPD Stimmen der muslimischen Wohnbevölkerung bringen soll. Andere Migrantengruppen und Relgionen sind dort nämlich recht unterrepräsentiert – soviel zur „Vielfalt“.

    Da handelt die mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfende SPD ganz nach dem Motto: Wenn es nicht passt, sucht man sich eben ein neues Wahlvolk. Ob´s wohl klappt?

  3. Achim Brecht sagt:

    Ich verstehe nicht ganz warum sich alle so aufregen!? Ich kann an diesem Plakat nichts ausländerfeindliches finden. Nirgends wird erwähnt das Flüchtlinge bei uns nicht willkommen wären. Es finden sich lediglich Hinweise wie man sich bei uns zu verhalten hat. In jedem öffentlichen Gebäude findet man eine Hausordnung an die man sich zu halten hat.

  4. Markus Kropfreiter sagt:

    Der ganze Aushang hat eine große Schwäche. Er ist völlig undifferenziert. Es wird so dargestellt, dass kein Flüchtling in Deutschland arbeiten will. Was definitiv nicht stimmt. In Deutschland leben derzeit 81 Millionen Menschen. Davon ca. 20 Millionen mit Migrationshintergrund. Nach diesem Aushang würde das bedeuten, dass 20 Millionen Menschen in Deutschland nicht arbeiten. Warum werden nur die Werte der Hatz 4 Empfänger aus Hessen und Hamburg genannt. Der Islam ist eine ehr vielschichtige Religion warum werden hier nur die Negativbeispiele genannt. Die katholische Kirche predigt im Afrika noch immer auf Verhütung zu verzichten und die Menschen werden von Aids dahingerafft. Warum macht man einen Aushang der sich nur an Ausländer….. richtet? Man kann sich auch engagieren um den Menschen unser Land zu erklären. Jeder sollte sich überlegen was er säht. Sicherlich ist es falsch jeden die rechte Ecke zu stellen. Wir haben zum Glück freue Meinungsäußerung. In Köln haben wir allerdings erleben müssen, dass nicht alle Menschen differenziert denken und handeln. Es sollte doch nicht der Weg für Unsinn bereitet werden.

    Zu den Kommentaren erlaube ich mir den Anmerkung, dass nicht dienlich ist hier Herrn Yüksel bzw. die SPD an den Pranger zu stellen. Das wurde „entlarvt“ klingt schon sehr stark. Alles würde es sich um kriminelle handeln. Es darf sich jeder seine Meinung bilden was mit so einer Wortwahl beabsichtigt ist. Was soll damit ausgedrückt werden, wenn man schreibt, dass der Migrationsbeirat von „Türken“ dominiert ist. Viele haben übrigens die deutsche Staatsbürgerschaft und zahlen hier Steuern und Sozialabgaben. Vor kurzem war in Jockgrim eine Veranstaltung zum Thema Flüchtlingshilfe. Herr Yüksel war auch anwesend. Dort hätte man mit Ihm offen diskutieren können.

    Im Übrigen hat sich auch die Jockgrimer CDU Bürgermeisterin klar positioniert. Zumindest laut der Rheinpfalz.

  5. Hans-Georg Rothmund sagt:

    Was mich an diesem Schaukasten Aushang besonders stört,
    sind drei Dinge:

    Zum ersten Abschnitt:
    Der Verfasser, der sich leider selbst nicht zu dem Inhalt bekennt, schreibt im Namen aller Deutschen.
    Ich bin auch Deutscher. Ich distanziere mich ausdrücklich von diesen Inhalten. Ich möchte nicht mit diesen undifferenzierten Inhalten in Zusammenhang gebracht werden.

    Zum zweiten Abschnitt:
    Die Zahl der Arbeitslosen und Hartz 4 Empfänger steht hauptsächlich in direktem Zusammenhang mit der Ausbildung dieser Bürger. Rückschlüsse zu ethnischen Bevölkerungsgruppen, von der diese Bürger ursprünglich abstammen, sind daher nicht zielführend aber bewusst verfälschend.
    Unsere Aufgabe lautet: Gute Ausbildung ermöglichen!
    Je besser der Bürger ausgebildet ist, umso geringer ist die Chance, arbeitslos oder Hartz 4 Empfänger zu werden.
    Schon mal was von Fachkräftemangel gehört, Herr Verfasser?

    Zum dritten Abschnitt:
    Hier ist der Inhalt schon ziemlich wirr, eigentlich unverständlich.
    Wes „Geistes Kind“ der Herr ist, wird bei seinem folgendem Originaltext deutlich, hier sein Zitat:
    „…dem weltweit unbeliebten Islam als dominante Religion.“
    Wer maßt sich so eine Aussage an? Wie wäre es mit einem bisschen mehr Respekt vor einer der größten Religionsgemeinschaften, deren Mitglieder überwiegend genauso friedlich leben wollen wie wir?
    Ist diese Diffamierung einer Glaubensgemeinschaft noch verfassungskonform? Wir haben Religionsfreiheit!

    Solche Inhalte machen mich betroffen.
    Es tut uns Deutschen überhaupt nicht gut, Bevölkerungsgruppen oder Religionsgemeinschaften zu diffamieren.
    Wenigstens das sollten wir aus unserer Geschichte gelernt haben.
    Und deshalb noch ein kleiner Kommentar zu Herrn Fischer, der fischt hier leider in sehr trübem Sumpf.

    Ich habe großen Respekt vor der Meinungsfreiheit, so darf der Verfasser seine Meinung gerne unter seinem Namen kundtun, aber bitte nicht im Namen von „uns“ Deutschen.

    Hans-Georg Rothmund

  6. Andrea Schreiner sagt:

    Ich fühle mich furchtbar als Bewohnerin dieses Orts, weil hier so frech letztendlich auch in meinem Namen gesprochen wird. Die Schaukästen hängen an exponierten Stellen und es entsteht dadurch der Eindruck, dies sei die Meinung aller. Und das ganze in so beklagenswert schlechtem Deutsch, so feige ohne Namen und dann noch derart undifferenziert. Das ist einfach Polemik, und wirklich niemand hat irgend einen Nutzen davon. Inhaltlich ist das Ganze so verdreht, unbewiesen und unhaltbar, dass man eigentlich gar nicht ins Detail gehen möchte. Fast schon belustigend finde ich die Wendung „weltweit unbeliebter Islam“: Seit wann entscheiden denn Beliebtheits-Votings, ob eine Religion sich durchsetzt oder ausgeübt werden darf? Unser Problem sind doch nicht irgendwelche Religionen oder Stoff auf Frauenköpfen! Es sind vielmehr die aktuellen Machtstrukturen, die das Flüchtlingselend überhaupt erst verursachen – mitsamt den dazu gehörenden Geldbewegungen und der Gier. Macht mit angeblich religiösen Motiven zu unterfüttern, das ist wahrhaft nicht nur eine muslimische Kernkompetenz. Für Hass und Krieg wurden auch die meisten anderen Weltreligionen schon ausgiebig missbraucht.

  7. Martin Reichert sagt:

    Ich habe mir das heute, am Sonntagnachmittag, vor Ort angeschaut. Beide Schaukästen sind inzwischen kunstvoll mit blauer Farbe zugeschmiert. Toleranz und Meinungsfreiheit müssen sich ja irgendwie ausdrücken.

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