Montag, 05. Dezember 2016

Integration durch Ausbildung: Handwerkskammer der Pfalz vermittelt junge Asylsuchende und Flüchtlinge an Ausbildungsbetriebe

26. Oktober 2015 | 2 Kommentare | Kategorie: Regional, Rheinland-Pfalz, Südwestpfalz und Westpfalz

Simone Brandt (Mitte) und Susanne Pithan vom Arbeits-
und Sozialpädagogischen Zentrum Kaiserslautern im Beratungs-
gespräch mit einem jungen Flüchtling.
Foto: hwk pfalz

Pfalz. Die Anzahl der Menschen, die nach Deutschland fliehen und politisches Asyl beantragen, steigt täglich. Und für viele Asylsuchende und Flüchtlinge, bei denen die Bleibewahrscheinlichkeit hoch ist, stellt sich die Frage, wie sie in Ausbildung und Beschäftigung gebracht werden können.

Vor diesem Hintergrund haben sich das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium, die Agentur für Arbeit und die rheinland-pfälzischen Handwerkskammern darauf verständigt, mit der Hilfe von Flüchtlingsnetzwerkern junge Flüchtlinge in eine Berufsausbildung zu vermitteln.

Die Flüchtlingsnetzwerker beraten und unterstützen nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge von 18 bis 35 Jahre mit konkreter Bleibeperspektive bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz, bei der Bewerbung und während der Ausbildung. Sie sind die Schnittstelle zwischen Bewerber und Betrieb, geben Handwerksbetrieben Hilfestellung beim Abschluss eines Qualifizierungs- oder Ausbildungsvertrags und unterstützen die Betriebe während der Ausbildung.

Flüchtlingsnetzwerkerin bei der Handwerkskammer der Pfalz ist seit 1. August Simone Brandt. Die gelernte Bürokauffrau und Ausbilderin war neun Jahre in der Verwaltung einer Ausländerbehörde tätig, hat bei der Studiengemeinschaft Darmstadt nebenberuflich ein Fernstudium zur Personalreferentin sowie zur Aus- und Weiterbildungspädagogin absolviert und sich zur Trainerin für Erwachsenenbildung weitergebildet.

Und sie hat von 2007 bis 2014 als Projektmitarbeiterin beim Saarländischen Beratungsnetzwerk für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge (SABENE) unentbehrliche Erfahrungen für ihre neue Aufgabe gesammelt.

Die Kontakte zwischen Flüchtlingen und Betrieben, so erläutert Simone Brandt, erfolgen auf drei Wegen: Zum einen werden ihr Asylbewerber und Flüchtlinge über die Agentur für Arbeit vermittelt.

Zum anderen bringen kirchliche Organisationen, Flüchtlingsnetzwerke, Sozialfürsorgeeinrichtungen, Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und ehrenamtliche Helfer, die sich in Städten und Gemeinden engagieren, Flüchtlinge mit ihr zusammen. Und natürlich sei sie auch „Ansprechpartnerin für Betriebe, die Flüchtlinge ausbilden oder ausbilden wollen“.

Das Interesse an ihrer Beratungs- und Vermittlungstätigkeit ist deshalb sehr hoch: Zwischen zehn und 15 Beratungskontakte habe sie pro Tag, erzählt sie. Seit Projektbeginn wurden von ihr über 30 Teilnehmer betreut, elf Ausbildungsplätze, 17 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung und 30 Praktikumsplätze akquiriert. Fünf der von ihr betreuten Teilnehmer absolvieren derzeit ein Praktikum und für drei konnte ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden.

Dabei habe sie die Erfahrung gemacht, „dass viele Handwerksbetriebe dazu bereit sind, Flüchtlinge auszubilden“. Und von Betrieben, die Teilnehmer von ihr übernommen haben, erhalte sie „Rückmeldungen, die eine hohe Zufriedenheit signalisieren“. Voraussetzung dafür, dass dies gelinge, sei allerdings, „dass ein Betriebsinhaber versucht, die Perspektive zu wechseln, sich in kulturelle Unterschiede einzufühlen und den Jugendlichen eine Eingewöhnungsphase zuzugestehen“.

Von Asylsuchenden und Flüchtlingen, deren vorhandenen Kompetenzen von ihr ermittelt werden, erwartet Simone Brandt „gute deutsche Sprachkenntnisse, Motivation und die Selbstdisziplin, die Chance, die sie bekommen, wirklich zu nutzen“. Dann, so erläutert sie, seien die Weichen für ihre Hauptaufgabe als Netzwerkerin gestellt: „Das Matching – also die Zuordnung eines Jugendlichen zum passenden Beruf und zum passenden Betrieb“.

Darauf angesprochen, ob die Rechtslage gewährleistet, dass die Ausbildung eines Flüchtlings auch zu Ende geführt werden kann, antwortet Simone Brandt mit einem eindeutigen: „Ja, denn die Erfahrungen haben gezeigt, dass die jeweiligen Ausländerbehörden jungen Menschen mit Bleibeperspektive ohne Probleme die Arbeitserlaubnis erteilen – auch über das Ausbildungsverhältnis hinweg“.

Das biete den Betrieben „Planungssicherheit während der Ausbildung – und auch darüber hinaus“. Nicht zuletzt deshalb ist sie davon überzeugt, „mit der Integration von Flüchtlingen sowohl eine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen als auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Handwerk leisten zu können“.
Zu erreichen ist Simone Brandt unter Tel.: 0631/3677-216 oder E-Mail: sbrandt@hwk-pfalz.de. (red)

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2 Kommentare auf "Integration durch Ausbildung: Handwerkskammer der Pfalz vermittelt junge Asylsuchende und Flüchtlinge an Ausbildungsbetriebe"

  1. Willibald Krötzmann sagt:

    Beim üblichen „Flüchtlings-Gedöns!“ sollte man auch wissen, dass SIEBZIG Prozent der Asylforderer-Auszubildenden die Lehre abbrechen!
    In Zahlen: 70%!

    • Deutscher Patriot sagt:

      Korrekt, denn die wollen möglichst ratzfatz, so viel Geld, wie nur irgendwie möglich, in ihre Heimat schicken. Außerdem fragen sie schon nach, wo denn „ihr“ Haus und Auto bleibe…. das Gerücht, dass sie das hier, so völlig ohne Gegenleistung, bekommen, macht wohl in deren Kreisen die Runde. :-O
      Aber ein Wunder, dass die Pfalz-Express Ihren Beitrag veröffentlicht hat, so ganz ohne Quellen-Belege. 😉

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