Sonntag, 19. November 2017

Gigantischer Datenhunger: VG Bad Bergzaberner Land will schnelles Internet für Alle – Ministerialdirektor Stich: „Visionär denken“

21. März 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Politik regional, Regional

Ministerialdirektor Randolf Stich, Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer und SPD-Chef Alexander Schweitzer (v.li.) beantworteten die Fragen der Bürger.
Fotos: pfalz-express.de/Licht

Oberotterbach – Schnelles Internet für die Verbandsgemeinde Bad Bergzabnerner Land war das Thema einer Gesprächsrunde der SPD in der Otterbachhalle.

Angekündigt hatte sich Innenminister Roger Lewentz, der allerdings kurzfristig krankheitsbedingt absagen musste. Statt seiner stellte sich Ministerialdirektor Randolf Stich der Diskussion mit den Bürgern.

Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer hatte bewusst Oberotterbach als Veranstaltungsort gewählt. In der viertgrößten Gemeinde des Kreises Südliche Weinstraße stehen den Nutzern lediglich 2,2 Mbit/sec Netzkapazität zur Verfügung.

Hermann Bohrer

„Das ist eigentlich Kindergarten“, sagte Bohrer. Zwar sei die Verbandsgemeinde eine Region mit hoher Lebensqualität; Infrastruktur, Schullandschaft, Tourismus und Wirtschaft würden kontinuierlich ausgebaut, aber: „Es fehlt das schnelle Internet. Und wenn wir das erst in zehn Jahren erkennen, sind wir abgehängt.“

Immer größere Datenmengen müsten immer schneller verschickt werden, so Bohrer, und bei 2 Mbit „sitzt man ewig und wartet. Diesbezüglich haben wir noch viele weiße Flecken.“

Langsames Internet – langsame Geschäfte: Zwar habe das Land die Grundversorgung auf 6 Mbit hochgesetzt, aber das reiche schon nicht mehr aus. Man brauche Datenübertragungsraten über 50 Megabyte/sec – und zwar für Alle, betonte Bohrer. Das dürfe keine Vision bleiben, man könne dieses Ziel jedoch nur gemeinsam angehen, damit nicht jede Ortsgemeinde für sich alleine kämpfen müsse. Dem stimmte auch Ortsbürgermeister Heinz Oerther zu.

Bohrer verglich die digitale Entwicklung mit der Elektrifizierung in den 30er Jahren, dem durchgängigen Wasseranschluss in den 20ern oder mit den ersten Telefonanschlüssen.

Schnelles Internet werde Thema in der nächsten Haushaltsberatung des Landtags, sagte SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer, Abgeordneter für den Kreis. Die Breitbandstrategie werde von der Landesregierung finanziell unterstützt. Auch Schweitzer betonte die Wichtigkeit einer Kooperation: „Das kann nur als interkommunales Projekt funktionieren, bei dem man seine Erfahrungen weitergibt und sich gegenseitig berät.“

Alexander Schweitzer

Digitale Revolution

Ministerialdirektor Randolf Stich sieht die Sache genauso: „Das geht nur im Einklang.“

Man stehe vor tiefgreifenden Umbrüchen, „auch wenn wir es oft noch nicht erkennen. Es ist eine digitale Revolution.“ Diese sei weder „kalt“ noch menschenufreundlich, sagte Stich und nannte als Beispiel Telearbeitsplätze für Menschen, die aus verschiedenen Gründen zuhause angebunden seien oder die Telemedizin für eine deutlich bessere Gesundheitsüberwachung. Konferenzschaltungen über das Internet vereinfachten Vieles und erspare zeit- und kostenaufwändige Reisen.

Für all das brauche man Datenautobahnen, müsse visionär denken, denn bis zum Jahr 2022 wachse der Bedarf – der „Datenhunger“ – auf das 44-fache an.

Die Topografie in Rheinland-Pfalz sei allerdings nicht einfach, sagte Stich, es gebe eben viele Täler und Berge, wofür man eine große Menge an Funkmasten brauche: „Nicht alles ist mit Kabeln machbar.“

Randolf Stich

Stich forderte zum Denken an „überübermorgen“ auf, wo man dann bereits 300 Mbits brauche. Das sei keine Utopie: 2011 seien 2 Mbits noch die Definition europaweit gewesen, „heute haben wir heute über 99 Prozent.“ Diese reichten natürlich nicht mehr aus, weshalb die Förderschwelle auf 6 Mbits angehoben worden sei.

Bis 2018 wolle das Land auf 15 Mbits hochrüsten, Malu Dreyer habe dieses Thema als Schwerpunkt in die Regierungsgeschäfte mit aufgenommen. Das Wirtschaftsministerium habe bislang 22 Millionen Euro in die Projekte gesteckt, in den Jahren 2015-2018 stünden rund 55 Millionen für die schnellen Bandbreiten bereit. Plus eine eventuelle digitale Dividende, die Malu Dreyer konsequent vom Bund einfordere, berichtete Stich.

Der Datenschutz im staatlichen Rheinland-Pfalz-Netz sei übrigens hervorragend. Man habe sehr viel Geld investiert, nun sei es das sicherste Netz bundesweit und sogar weltweit. Das RLP-Netz sei vom Bundesamt für Sicherheit überprüft und eines von zwei bundesweiten Netzen, die ein Sicherheitszertifikat haben.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Bürger einig: Die Zukunft kann nicht verleugnet werden, schnelles Internet ist unabdingbar und wird dingend gebraucht. (cli)

 

Heinz Oerther

Manfred Huckle, Ortsbürgermeister Dierbach

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