Mittwoch, 20. September 2017

Germersheimer Kultursommer mit Chawwerusch-Premiere gestartet: „Wir sprechen uns noch“

20. Juni 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Komische neue Welt: Sprache muss gekauft werden.
Fotos: Kunze

Germersheim – Zum Auftakt des Kultursommers in Germersheim hieß am 19. Juni Bürgermeister Marcus Schaile im Kulturzentrum Hufeisen die Besucher herzlich willkommen.

Zahlreiche Kulturinteressierte sowie Vertreter der Bundes- und Landespolitik und Sponsoren des Kultursommers gehörten zu den Gästen.

„Nicht nur die Eröffnung des Kultursommers gibt es zu feiern“, so Bürgermeister Schaile, „sondern auch die Premiere des Stücks ´Wir sprechen uns noch´ vom Chawwerusch Theater Herxheim.“

Schaile wies auf das abwechslungsreiche Programm der folgenden Wochen hin, das von Palatia Jazz über Kino-Open Air bis zur Kammermusik so einiges zu bieten habe.

Bürgermeister Marcus Schaile bei der Eröffnungsansprache.

Stolz verkündete der Bürgermeister, dass im nächsten Jahr der Kultursommer Rheinland-Pfalz in Germersheim stattfinden soll. Dies wäre die 25. Veranstaltung dieser Art und entspräche einer „Silberhochzeit in der Stadt am Rhein“.

Angesichts der dicken Wolken hatte der Wettergott doch Gnade walten lassen. So konnte das Open-Air Event einen trockenen, wenn auch etwas kühlen Verlauf nehmen.

Nach dem mit viel Spielfreude aufgeführten Theaterstück versorgte die Süßwarenfabrik Trauth aus Herxheim die Besucher mit Schokoküssen, für das restliche leibliche Wohl sorgte der Kultursommerförderverein. Der „leckere“ Abschluss rundete den gelungenen Auftakt des Kultursommers ab.

Kühl, aber zumindest nicht nass: Illuminiertes Kulturzentrum Hufeisen.

Zum Theaterstück

Superhelden, die nicht ganz der Vorstellung solcher entsprechen. Helden, die gegen ein System aufbegehren, in dem die Sprache kommerzialisiert wurde. Eine Ware, für die bezahlt werden soll und der einfache Bürger sich lediglich einen „Grundwortschatz“ leisten kann. Durch Überwachungsarmbänder kontrolliert, in der Freiheit beschränkt, im sozialen Stand gefangen.

Das Theaterstück „Wir sprechen uns noch“ behandelt durchaus aktuelle Themen. In Zeiten der Datenüberwachung, den mächtigen Einflüssen großer Konzerne und der Kostenfrage von Ware, die zu den Grundrechten der Menschen gehören sollten, behandelt das Stück wesentliche Themen unserer heutigen Welt.

Satirisch, lustig und leicht wird die Geschichte von den Darstellern auf die Bühne transportiert.

In einer vergangenen Zukunft hat der Konzern „Wortschatz Limited“ die Sprache zur Ware gemacht. Er verkauft den Menschen das, was ihre Geldbeutel hergeben. Leere Versprechungen, Verkaufsslogans und eine angeblich „schöne neue Welt“ sollen die Menschen locken.

Ein sauberer Wortschatz, klar strukturiert und eine gleichberechtigte Sprache 2.0. Ein kostenloser Grundwortschatz wird von „Wortschatz Limited“ angeboten, Aufbaumodule gegen Bares.

Da dies mit Gleichberechtigung nicht viel zu tun hat, rebelliert eine kleine Gruppe gegen diese vom Staat abgesegnete Ungerechtigkeit. Es sind die Superhelden dieses Stücks, es sind die „Wortschatzpiraten“.

Vier skurril wirkende Widerständler, die in ihrer Kostümierung alten Comic-Heften entsprungen zu sein scheinen, kämpfen für die Freiheit des Wortes. Sie protestieren und manipulieren und schaffen es tatsächlich, ihr Ziel zu erreichen.

Doch die Konzerne finden immer neue Wege und so scheint sich die Geschichte stets zu wiederholen.

Die Schauspieler Felix S. Felix, Miriam Grimm, Thomas Kölsch und Stephan Wriecz überzeugen durch ihre humorvolle und glaubhafte Darstellungsweise: Ein temporeiches Spiel im ständigen Rollenwechsel der Protagonisten.

Mal sind sie die alte Frau, die sich dich falsche App gekauft hat und dadurch Suaheli spricht, mal der wohlhabende Rechtsanwalt, der durch den Kauf einer „Rhett- Butler App“ die gelangweilte Ehefrau zufrieden stellen kann.

Einige Situationen erinnern unwillkürlich an eigene Alltagssituationen. Da wendet sich die Putzfrau an den Service von „Wortschatz –Ltd.“ aufgrund eines Problems und hängt ewig in der Warteschleife, ohne ein befriedigende Antwort zu erhalten.

Immer wieder werden Textfragmente von Dichtern und Philosophen in den Raum geworfen und damit die Kraft der verbotenen Wortschöpfungen verdeutlicht. Anspielungen aus Klassikern der Literatur wie „1984“ oder „Fahrenheit 451“ tauchen zwischen den Zeilen immer wieder auf. Shakespeare wäre unter diesen Umständen sicherlich verarmt.

So werden Menschen zu Helden, die nicht nur die Freiheit der Gedanken, sondern auch die des Wortes möchten: Die Rebellion der gegängelten Bürger nimmt damit seinen Lauf.

Der Autor und Regisseur Tom Pfeifer hat ein intelligentes und pfiffiges Stück geschrieben, das von dem Ensemble des Chawwerusch Theaters in dieser Premiere wunderbar umgesetzt wurde.

Das Bühnen- und Kostümbild wurde von Franzsika Smolarek ideenreich gestaltet, die passenden musikalischen Kompositionen von Karl Atteln schufen die entsprechende Atmosphäre.

Am Ende der Aufführung stand die „Theaterfamilie“ einem begeisterten Publikum gegenüber. (Gabi Kunze)

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