Mittwoch, 13. Dezember 2017

Geldpolitik der EZB erleichtert Kreditvergabe – Ende des Niedrigzinses in Sicht?

31. Dezember 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Finanzen, Vermischtes
EZB-Gebäude. Foto: dts nachrichtenagentur

EZB-Gebäude.
Foto: dts nachrichtenagentur

Einen Kredit zu erhalten, ist so leicht wie nie. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Märkte mit frischem Kapital überschwemmt und der niedrige Leitzins sorgt dafür, dass weiteres Geld günstig erhältlich ist.

Aktuell liegt der Leitzins bei 0,0 Prozent – dadurch zahlen Banken fast keine Gebühren, wenn sie sich Geld bei der EZB leihen. Diese niedrigen Zinsen geben Banken entsprechend an ihre Kunden weiter, weshalb immer mehr Unternehmen und Privatpersonen einen Kredit in Anspruch nehmen.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden im gesamten Euro-Gebiet 2,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen vergeben – dabei handelt es sich um den höchsten Anstieg innerhalb eines Jahres seit 2011. Bis März 2017 soll die Niedrigzins-Politik so weiterlaufen – erst dann ist ein Treffen der EZB-Spitze angesetzt, nach dem sich der gegenwärtige Kurs der Zentralbank ändern könnte.

Unternehmen profitieren von günstigen Geschäftskrediten

Besonders Unternehmen können sich momentan über günstige Kredite freuen und dadurch weitere Investitionen in ihre Geschäftsbereiche tätigen. Dazu können sie sich direkt an eine Bank wenden, oder das Angebot von Anbietern wie beispielweise Funding Circle in Anspruch nehmen und sich so einen Geschäftskredit sichern.

Letztere Methode eignet sich insbesondere für junge Start-up-Unternehmen, die kurzfristig frisches Kapital benötigen. Dabei lohnt es sich nicht nur, neue Investitionen über einen Kredit zu finanzieren – auch ältere Darlehen können durch neue, günstigere Kredite abgelöst werden. Auf diese Weise können Unternehmen weiter sparen und bestehende Lasten verringern.

Zinswende in Sicht?

Die Zeit der niedrigen Zinsen wird wahrscheinlich bald enden – zumindest, kann man dies aus den Aussagen von Yves Mersch, eines der sechs Direktoren der EZB, ableiten. Mersch bestätigte kürzlich der Presse, das Pläne vorliegen, um den Leitzins in naher Zukunft wieder zu erhöhen.

Damit hätte die ultralockere Geldpolitik der Zentralbank ein Ende – die EZB würde ihre Anleihenkäufe zurückfahren und höhere Gebühren verlangen, wenn Banken sich bei der Zentralbank Geld leihen. Für Unternehmen oder Privatpersonen hätte das zweierlei Auswirkungen:

  • Durch den höheren Leitzins würden die Kosten für Darlehen steigen, da viele Banken die Kosten an ihre Kunden weitergeben müssten. Davon betroffen wären auch die Kreditbedingungen, denn aufgrund der höheren Gebühren für frisches Geld könnten Banken von ihren Kunden weitere Sicherheiten verlangen, um einen Kredit zu gewähren.
  • Auf der anderen Seite würden die Sparer profitieren. Durch die Anhebung der Leitzinsen könnten auch die Zinsen auf Spareinlagen wieder ansteigen. Aufgrund der lockeren Geldpolitik haben Spareinlagen für Banken aktuell an Bedeutung verloren, da die EZB den Markt monatlich mit 80 Milliarden Euro versorgt hat. Dadurch sind Banken nicht mehr auf Spareinlagen angewiesen, um an Geld zu gelangen.

Aktuell nutzen viele Unternehmen oder Privathaushalte die niedrigen Zinsen, um sich noch einen Kredit zu sichern. Denn über langfristige Darlehen mit festen Zinsraten kann man sich die aktuell günstigen Konditionen für die Zukunft sichern.

Der Finanzexperte Tobias Hoffmann-Becking rät allerdings dazu, nur Kredite abzuschließen, wenn das Geld tatsächlich unmittelbar benötigt wird. Denn sollten Unternehmen in Zukunft in finanzielle Schwierigkeiten geraten, kann es trotz der günstigen Konditionen zu Problemen bei den Rückzahlungen kommen. Das Verhalten der Gläubiger lässt sich dann oft nur schwer prognostizieren.

Daher sollten Unternehmer den Nutzen eines Kredits immer gründlich abwägen, bevor sich entschließen, einen aufzunehmen – auch, wenn niedrige Zinsen dazu verlocken.

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