Sonntag, 19. November 2017

„Der Protestant“ von Michael Landgraf: Packende Zeitreise in die Reformation

26. Januar 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Bücher, Kultur, Leute-Regional, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer
Michael Landgraf hat viel Zeit für die Recherche investiert. Foto: privat

Michael Landgraf hat viel Zeit in Recherche für seinen Roman investiert.
Foto: privat

Ein großer Erfolg,  jetzt in der zweiten Auflage erhältlich, ist der neue historische Roman „Der Protestant“ von Michael Landgraf.

Der Neustadter Reformationsbotschafter hat mit seinem Buch ein Werk verfasst, welches der Leser ungern aus der Hand legt. Es gibt ja diese Bücher, die man am liebsten in einem Stück auf sich einwirken lassen möchte. „Der Protestant“ gehört auf jeden Fall dazu. Die pfälzische Leserschaft freut sich zudem über den regionalen Bezug. Schließlich kennen Neustadter den Marktplatz und andere Orte an denen sich die Hauptfigur des Romans, Jakob Ziegler, bewegt.

Die historischen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und die Reformation und deren Auswirkungen packend geschildert, auch wenn Bruder Martinus (Martin Luther) nicht im Mittelpunkt steht. Die Person Jakob Ziegler ist nicht historisch belegt, hätte so aber durchaus existieren können.

Jakob Ziegler, Sohn eines Weinhändlers, erlebt den Beginn der Reformation. Zunächst als Kind in den Ängsten seiner Zeit gefangen, begegnet er Humanisten und Reformatoren, die ihm eine neue Welt vor Augen führen.

Als Jurist und Spion des kurpfälzischen Kanzlers ist er auf dem Wormser Reichstag, wird verstrickt in den Bauernkrieg und in die Verfolgung der Täufer. Seinem Herzen folgend hat er den Mut, mit der Liebe seines Lebens eigene Wege zu gehen. Schließlich gehört er auf dem Speyerer Reichstag 1529 zu den Protestanten, die für ihren Glauben einstehen.

Der Roman spielt zwischen 1500 und 1529. Er spiegelt die gesellschaftlichen Verhältnisse an der Wende zur Neuzeit. Die Romanfigur begegnet Martin Luther sowie Persönlichkeiten, die die Reformation im Süden Deutschlands, im Elsass und in der Schweiz prägten.

PEX: Herr Landgraf, wie reifte die Idee zum Roman „Der Protestant“? Wie lange haben Sie recherchiert und geschrieben?“

Insgesamt waren es drei Jahre, bis der Roman fertig war. Ich wollen einen „historischen“ Roman schreiben und keine Liebesgeschichte oder einen Krimi im historischen Gewand.

Daher war eine ausführliche Recherche in Archiven und Bibliotheken vonnöten. Dann bin ich die Wege abgefahren, die mein Romanheld ging – bis nach Augsburg, Innsbruck, Basel und Zürich im Süden sowie Marburg und Wittenberg im Norden.

Besonders wichtig war mir aber, dass ich die regionale Geschichte der Reformationszeit in der Kurpfalz, in Reichsstädten wie Landau und Speyer sowie in den umliegenden Territorien erfasste. Es war eine Zeit des Umbruchs, die nicht nur das kirchliche Umfeld betraf. Es wurde das Recht verändert, wodurch Ritter entmachtet wurden, und die Bauern waren im Aufstand. Ich will meine Leser entführen in diese Zeit, dass sie ahnen können, was Menschen damals gedacht und erlebt haben.

PEX: Worum geht es grob in ihrem Roman?

Mein Romanheld Jakob Ziegler, der in Neustadt als Sohn eines Weinhändlers aufwächst, ist fiktiv. Doch er begegnet vielen bewegenden Persönlichkeiten der Zeit: dem Kanzler Florenz von Venningen, der uns heute als Essigdoktor bekannt ist, dem Pfälzischen Kurfürsten Ludwig V., Kaiser Karl V. und natürlich Reformatoren wie Philipp Melanchthon, Huldrych Zwingli und Martin Luther. Doch ist mein Roman kein Lutherroman.

Es spiegelt die Entwicklungen in unserer Region. Vieles lief dabei vermittelnd ab. So konnten in der Kurpfalz, die bis 1556 noch dem alten Glauben anhing, schon früh evangelische Prediger auftreten. Durch meinen Romanhelden erlebt man vieles aus der zweiten Reihe: Eine Ablasspredigt in Mainz, die Frömmigkeit vieler Menschen damals in Gestalt seiner Mutter, die Verteidigungsrede Luthers zu seinen Thesen in Heidelberg 1518 oder den Reichstag 1521 zu Worms.

Man begegnet dem Reichsritter Franz von Sickingen, dem Bauerkrieg und die Verfolgung der Täufer. Schließlich erlebt man den Speyerer Reichstag von 1529, an dem die Protestanten ihren Namen erhielten.

PEX: Welche historischen Personen würden Sie außerdem gerne einmal thematisieren?

Nach den vielen positiven Rückmeldungen zum Roman reizt es mich, noch einmal der Figur Zacharias Ursinus nachzuspüren, der bei uns in der Stiftskirche begraben liegt. Er hat eine bewegende Lebensgeschichte, die ich in meinem Buch „Ursinus erzählt“ nur grob beleuchten konnte. Seit 2012 bin ich ja auch als Stadtführer im Gewand des Ursinus unterwegs. In einer solchen Story, die dann ab den 1570er Jahren spielen würde, zeigt sich dann auch, wie es nach 1529 weitergeht. Zu diesem Zeitpunkt endet nämlich mein Roman „Der Protestant“.

PEX: Hat sich Ihr Lutherbild, das Sie vielleicht ursprünglich hatten, während des Schreibens verändert?

Mir ist nochmal deutlich geworden, wie sehr Luther ein Kind seiner Zeit und in vielem noch gefangen in einem alten Weltbild war. Andere Reformatoren habe ich erst durch das Schreiben richtig entdeckt – wie Erhard Schnepf, der später Hessen und Württemberg reformierte und zur Zeit des Studiums von Jakob Ziegler Magister in Heidelberg war.

Oder Jakobs Mitstudent Johannes Brenz, der eine der wichtigsten Reformatoren in Süddeutschland wurde und der früh bereits die Verfolgung Andersgläubiger und von angeblichen Hexen verurteilte. Mir ist beim Schreiben immer klarer geworden, wie komplex das damals alles war.

Quelle: wellhöfer-verlag

Quelle: wellhöfer-verlag

„Der Protestant“, Michael Landgraf, Wellhöfer Verlag, ISBN 978-3-95428-193-0, 420 Seiten, 14,95 Euro

(desa)

Reformationsbotschafter Michael Landgraf

Der Reformationsbotschafter von Neustadt, Michael Landgraf, ist Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller Rheinland-Pfalz. Aus seiner Feder stammen viele Erzählungen und Sachbücher, auch zu historischen Themen.

Er schlägt als Dozent, Schriftsteller und Stadtführer eine Brücke in die Reformationszeit. Als Druckermeister führt er ab 2017 durch Neustadt und bietet eine lebendige Begegnung mit der Epoche der Zünfte, Bauernkriege und Reformatoren. Bereits seit 2013 gibt er als Zacharias Ursinus Einblick in die späte Reformationszeit. Er hält Vorträge, beispielsweise im Bibelmuseum Neustadt, oder Lesungen mit seinem neuen historischen Roman „Der Protestant“.

 

Lesungen mit Michael Landgraf:

Donnerstag, 27. April, 20 Uhr, Stadtbibliothek Landau

Passend zum diesjährigen Reformationsjubiläum liest Michael Landgraf am 27. April um 20 Uhr auf Einladung des Literarischen Vereins in der Landauer Stadtbibliothek aus seinem Werk „Der Protestant“. Der historische Roman handelt von der Geschichte des Neustadters Jakob Ziegler, der den Beginn der Reformation erlebt, Martin Luther begegnet und auch Landau und Nußdorf besucht, als sich dort grade der Bauernaufstand formiert. Eintritt 10 Euro.
Freitag, 19. Mai, 19.30-21 Uhr, Stadtbücherei Neustadt
500 Jahre Reformation: Lesung von Michael Landgraf
„Der Protestant“
Der Neustadter Autor Michael Landgraf liest aus seinem neuen historischen Roman mit dem thematischen Schwerpunkt Reformation. Jakob Ziegler, Sohn eines Weinhändlers, erlebt als Lateinschüler in Neustadt an der Haardt und als Student in Heidelberg den Vorabend der Reformation. Als Jurist beobachtet er Martin Luther bei der Heidelberger Disputation und beim Reichstag zu Worms. Auf dem Reichstag zu Speyer gehört er zu den „Protestanten“, die gegen den Kaiser und die Mehrheit der Reichsstände ihren Glauben verteidigen.
Eintritt: 8 Euro

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