Dienstag, 23. Mai 2017

BASF-Aufsichtsratschef kritisiert Bundesregierung: „Bürger werden an der Nase herum geführt“

4. März 2017 | 2 Kommentare | Kategorie: Politik regional, Wirtschaft in der Region
Foto: dts Nachrichtenagentur

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Ludwigshafen – Der Aufsichtsratsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, hat die Bundesregierung in scharfer Form kritisiert. „Die Bundesregierung verfolgt mittlerweile eine Informationspolitik, die mit der Realität wenig zu tun hat, bezahlt mit Steuergeld“, sagte Hambrecht der „Welt“.

An dem Gespräch mit der Zeitung nahm auch der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) teil.

Konkret bezog Hambrecht sich auf eine Informationschrift des Bundeswirtschaftsministeriums zur Energiewende mit dem Titel „Unsere Erfolgsgeschichte“. Darin seien „zig Seiten Lobhudelei über sinkende Stromkosten und sichere Versorgung“ zu lesen. „So etwas ärgert mich massiv, damit werden die Bürger an der Nase herumgeführt“, sagte Hambrecht.

Tatsächlich sei die Energiewende „ein Riesenmurks. „Die Kosten steigen immer weiter, und die Versorgungssicherheit ist extrem gefährdet, wenn wir nach der Kernkraft nun auch noch aus Kohle und Gas aussteigen wollen.“

Hambrecht warf der Politik Untätigkeit in der Energiewende vor. „Ich war ja in der Ethikkommission, die einen Ausstieg aus der Kernenergienutzung bewerten sollte. Wir haben damals vorgeschlagen, beschleunigte Verfahren zum Aufbau der Infrastruktur für die Energiewende zu schaffen. Machen wir, wurde uns versprochen. Doch nichts ist passiert. Wir können uns dieses Nichtstun nicht mehr leisten!“, so der Manager.

Generell kämen in der Tagespolitik gute Konzepte und Visionen oft zu kurz: „Wir brauchen mehr Entschlossenheit und Lust auf Zukunft.“ Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der BASF kritisierte auch das Verhalten der Politik im Zuge der Verkaufsgespräche über Opel.

Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl müssten sich die Politiker positionieren: „Nur nimmt das inzwischen bedenkliche Ausmaße an. General Motors wird vorgeworfen, man habe sich um Opel nie gekümmert. Das ist doch an den Haaren herbeigezogen!

Wenn ein Unternehmen wie GM 18 Jahre Verluste hinnimmt und dennoch versucht, die Firma mit Innovationen etwa im Bereich Elektromobilität nach vorn zu bewegen, wo fehlt dann das Engagement?“, kritisierte Hambrecht. Die Automobilindustrie stehe vor einem Transformationsprozess. Opel sei dafür gut aufgestellt, habe gute Modelle.

„Und bei Peugeot hat Opel – anders als bei GM – auch endlich die Chance, sich global aufzustellen. Ich würde das positiv angehen, Kampfgeist entwickeln nach dem Motto: Das wuppen wir jetzt“, sagte Hambrecht. Als Problem sieht Hambrecht auch die zunehmend globalisierungskritische Bevölkerung. Die Wirtschaft trage daran eine Mitschuld, so der Manager.

„Die Wirtschaft hat den Fehler gemacht, die Lobby-Gruppen nicht ernst zu nehmen. Diese Pressure-Groups sind klein, gemessen an der Zahl ihrer Mitglieder, aber gehen sehr professionell vor. Sie argumentieren mit Emotionen, die Wirtschaft mit Fakten.

Und wo Fakten auf Emotionen treffen, bleiben in der Regel die Fakten auf der Strecke. Demokratische Entscheidungen sollten aber immer auf der Analyse von Fakten und deren Bewertung basieren. Wenn uns das nicht mehr gelingt, haben wir alle ein Problem“, sagte Hambrecht. (dts Nachrichtenagentur)

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2 Kommentare auf "BASF-Aufsichtsratschef kritisiert Bundesregierung: „Bürger werden an der Nase herum geführt“"

  1. von Venningen sagt:

    Gut, daß sich der Aufsichtsratsvorsitzende der BASF klar zur Politik der Frau Merkel positioniert!
    Leider tun das zu wenige aus dem Führungskreis der Wirtschaft, weil sie die CDU weiter an der Macht halten wollen, auch wenn das ganze Regierungshandeln der Merkel Ära auf Mißmanagement und Desinformation beruht.

    Die Bürger werden deshalb an der Nase herum geführt, weil sie es mit sich machen lassen. Wer sich nur um Shopping-Events und seine nächste Urlaubsreise kümmert, mit dem kann Frau Merkel machen was sie will. Jedes Land verdient die Regierung die es hat.

  2. Hans-Günter Gerstle sagt:

    „Die Bundesregierung verfolgt mittlerweile eine Informationspolitik, die mit der Realität wenig zu tun hat, bezahlt mit Steuergeld“, sagte Hambrecht der „Welt“.
    Eigentlich keine Überraschung, nur eine Frage der Zeit. Mit dem ehemaligen BASF-Chef und heutigen Aufsichtsratschef spricht endlich mal ein Schwergewicht der Wirtschaft offen aus, wofür Kritiker, vor allem AfD-Anhänger, seit Jahren darauf hinweisen. Unsere Mainstreammedien wurden schon vor Jahren im und aus Kanzleramt zu einer stromlinienförmigen, regierungstreuen Hofberichterstattung angehalten. Wir erinnern uns an den gemeinsamen Auftritt des damaligen SPD-Finanzministers Peer Steinbrück und Merkel am 13. Oktober 2008. Live vor laufenden Kameras waren beide gezwungen und mussten dem Publikum versprechen, dass Ihre Spareinlagen sicher sind. Warum wohl?
    Es war 5 vor 12 und hat sich bis heute auch noch nicht spürbar verbessert! Schon damals standen unsere Finanzmärkte kurz vor dem Crash. Merkel und Steinbrück brauchten unbedingt die Presse und TV, um gute Nachrichten zu streuen. Das hat bis heute mit tatkräftiger Unterstützung eben dieser hörigen Presse und zwangsfinanzierten GEZ-Fernsehprogramme ARD/ZDF und Deutschlandfunk angehalten.
    Wenn sich nun Verantwortliche wie Hr. Hambrecht im Aufsichtsrat des Chemie-Weltmarktführers BASF recht deutlich zur Schieflage äußern, haben offensichtlich auch Großkonzerne Angst vor dieser Zukunft – in welcher Weise auch immer. Umdenken und umsteuern ist angesagt. Mit der jetzigen Politik und der Person Merkel an der Spitze unseres Landes schaffen wir das mit Sicherheit nicht. Merkel hat unserem Volk schon zu viel Schaden zugefügt. Sie muss gehen! Denken Sie daran, am 24. September stimmen Sie ab.

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