Sonntag, 24. September 2017

Ausstellungseröffnung in Rheinzabern: Not macht erfinderisch – Upcycling auch

29. Mai 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Kultur
Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Christine Beil (rote Bluse), bei der ersten Führung. Fotos: G. Beil

Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Christine Beil (rote Bluse), bei der ersten Führung.
Fotos: G. Beil

Rheinzabern – Eine große Zahl an Gästen war zur Eröffnung der jüngsten Sonderausstellung “Not macht erfinderisch – Flicken, Reparieren und Umnutzen von Dingen in Kriegs- und Nachkriegszeiten“ ins Terra Sigillata Museum gekommen.

Zahlreiche Leihgeber aus Rheinzabern und Umgebung, zumeist der Genration der Kriegskinder angehörend, unterstützen die Ausstellung, in die auch die Integrierte Gesamtschule Rheinzabern eingebunden ist.

Kuratorin Dr. Christine Beil stellte das Ausstellungskonzept vor. Ausgehend von der Flut von Dingen, die ein Mensch heutzutage benutzt, lasse sich am „Flick-Werk“, am Notbehelf und am Provisorium das Verhältnis des Menschen zum Besitz ablesen, so die Kuratorin, die sich über die vielfältigen Ausstellungsstücke bedankte.

Thematisch sind die Exponate den Bereichen Soldatenleben, bäuerlicher Alltag, Kleidung und Kinderwelt zugeordnet. Beil über die ausgestellten Dinge: „Sie erzählen Geschichten über Not und Erfindung, über Sorgen und Improvisation. Sie erzählen Geschichten über Angst und durchwachte Nächte, aber auch über das Glück, die Freude und Zuneigung, über Phantasie, handwerkliche Kunst und die unglaublichen Fähigkeiten, die Menschen in Notzeiten entwickeln können. Und sie verweisen auf den wertschätzenden Umgang mit den Dingen und mit den Menschen, die diese hergestellt haben“.

Durchweg verbinden die Leihgeber mit ihren Erinnerungsstücken besondere Geschichten. Da ist zum Beispiel der Rucksack eines Kriegsgefangenen, der bis 1947 in ägyptischer Hitze ausharren musste. Da ist ein Muttertagsgruß aus Russland zu sehen, eine zur Blumenvase umfunktionierte und verzierte Granathülse. Die selbst gebaute Presse zum Sirupgewinn aus Rüben erinnert an den Zuckermangel in der Nachkriegszeit. Ein Jaucheschöpfer aus Qualitätsstahl diente ursprünglich einem unbekannten alliierten Soldaten als Stahlhelm.

Da sind aber auch beeindruckende Spielsachen. Ein Vater, bei der Flak am Atlantikwall eingesetzt, bastelte in liebevoller Detailarbeit eine Schiffschaukel, ein Karussell und eine Puppenstube. Zuhause lenkte die Mutter mit dem Karussell ihre Kinder vom Dröhnen der Bomber ab. Imposant eine Gruppe von Kasperlefiguren aus Holz, bekleidet mit allerlei Stoffresten.

Kurios das angedeutete Konterfei des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, der um 1940/41 (noch) zu den Stars zählte. Passend dazu eine von der Luftwaffe veröffentlichte Broschüre zur Freizeitgestaltung im do-it-yourself-Stil, just zum sinnvollen Überbrücken von freier Zeit zu verwenden.

Als reizvollen Kontrast zur Not-Zeit haben Schüler der IGS mit ihren Lehrerinnen Bettina Vierthaler und Silvia Kleineberg die Auswirkungen und den Umgang mit Überfluss künstlerisch behandelt. Sie zeigen Wege und Möglichkeiten, die Dinge umzugestalten und ihnen damit eine neue Wertschätzung und Lebensdauer zu verleihen.

Mit der Methode des Upcycling entstanden eine Reihe nützlicher und dekorativer Gegenstände, angefangen beim Jugendsofa aus Paletten, über das Schachspiel aus Kaffeekapseln, den Schirmständer aus Video-Kassetten bis zur originellen Lampen aus Kartonabfall. Die Phantasie kennt kaum Grenzen.

Upcycling knüpft jenseits der Clochard- und Shabby-Chick-Mode an die Tradition des Reparierens und Umnutzens von Gegenständen an. Es wendet sich gegen die Wegwerfmentalität. Deswegen werden während des Kultur- und Heimatfestes von Dr. Astrid Weißenburg Upcycling-Workshops angeboten.

Die Feier wurde musikalisch umrahmt von Lehrer Sebastian Hackel, IGS Rheinzabern, Ortsbürgermeister Gerhard Beil sprach ein Grußwort, Vorsitzender Philipp Schmitt begrüßte die Gäste und war mit seinem Team für den Umtrunk verantwortlich.

Die Ausstellung „Not macht erfinderisch“ im Terra Sigillata Museum Rheinzabern wird noch bis zum 10. September zu sehen sein. Alle Räume sind barrierefrei zu erreichen. (gb)

Öffnungszeiten:

Mittwoch bis Samstag von 11 bis 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr, Telefon: 07272 – 95 58 93 Mail: info@terra-sigillata-museum.de.

Stahlhelm als Jaucheschöpfer, Bajonett von 14-18 zum Spargelmesser umgearbeitet.

Stahlhelm als Jaucheschöpfer, Bajonett von 14-18 zum Spargelmesser umgearbeitet.

 

IGS-Schüler nach Aufbau ihrer Upcycling-Exponate.

IGS-Schüler nach Aufbau ihrer Upcycling-Exponate.

 

Umgenutzte Autoreifen können noch lange ihre Dienste tun.

Umgenutzte Autoreifen können noch lange ihre Dienste tun.

 

Lehrer Sebastian Hackel bei der musikalischen Ummalung der Eröffnungsfeier.

Lehrer Sebastian Hackel bei der musikalischen Ummalung der Eröffnungsfeier.

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