Donnerstag, 19. Oktober 2017

Alexander Schweitzer traf….Stefan Aust: „Ich bin so etwas wie ein Journalist“

17. Mai 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau, Politik regional, Regional
Stefan Aust mit Alexander Schweitzer im Gespräch. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Alexander Schweitzer (r.) mit Stefan Aust im Gespräch.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. In seiner Reihe „Alexander Schweitzer trifft“ hatte sich der SPD-Landtagsabgeordnete und SPD-Fraktionschef im Landtag, auch jetzt wieder eine hoch interessante Persönlichkeit eingeladen: Stefan Aust, mittlerweile 70 Jahre alt, ein „alter Hase“ des Journalismus.

Stefan Aust war langjähriger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und Gründer von „Spiegel TV. Seit 2014 ist er Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“.

Aust ist Autor des internationalen Bestsellers „Baader-Meinhof-Komplex“ und wurde für seine ARD-Dokumentation „Der NSU-Komplex“ vor kurzem für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.
Schweitzer sprach mit seinem prominenten Gast insbesondere über dessen neues Buch „Hitlers erster Feind – Der Kampf des Konrad Heiden“.

Aufgrund der vielen Anmeldungen hatte der Veranstalter umdisponiert und den großen Saal im Alten Kaufhaus angemietet.

Unter den Zuhörern war auch eine Klasse der KARS (Konrad Adenauer Realschule). Die jungen Leute werden über die Veranstaltung in ihrer Schülerzeitung schreiben.

Die Veranstaltung hatte großes Interesse hervorgerufen. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Die Veranstaltung hatte großes Interesse hervorgerufen.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Schweitzer und Aust hatten sich in Berlin kennen gelernt. Bei einem Glas Wein hatte ihn der Politiker für seine Reihe „Alexander Schweitzer trifft…“ eingeladen: „Er hat ganz unkompliziert zugesagt“, so Alexander Schweitzer.

Aust, der sich schon mal mittels Podest auf Augenhöhe mit Schweitzer begeben hatte, zeigte genau diese Unkompliziertheit im weiteren Verlauf des Gesprächs im Alten Kaufhaus.
Aust ruht in sich selbst und er hat schon Vieles erlebt in seinem 50-jährigen journalistischen Schaffen.

Schweitzer bemühte Wikipedia, in dem zu lesen ist, dass Aust unter anderem lange Jahre Chefredakteur des Spiegel war. 2008 wurde er von seiner Tätigkeit frei gestellt. Der damalige Vorwurf, „schlechter Führungsstil und mangelnde Innovationskraft“ wurden allerdings im Gespräch nicht ausgeführt. Wie sich Aust denn selbst sehe, wollte Schweitzer wissen. „Ich bin so ne Art Journalist – eigentlich bin ich ja Bauer“. Auf 60 Hektar betreibt Stefan Aust Landwirtschaft. Ein Relikt aus der Kindheit, denn Aust ist Sohn eines Landwirts.

Auf dem Podest stehend befand sich Aust in Augenhöhe mit Alexander Schweitzer. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Auf dem Podest stehend befand sich Aust in Augenhöhe mit dem 2,06 Meter großen Alexander Schweitzer.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Eigentlich habe er nie schreiben wollen, so Aust, der als junger Mann eine Schülerzeitung mit dem ebenfalls bekannten Journalisten Hendryk M. Broder produziert hatte.
Sein Ding war das Schreiben nicht: „Ich wollte Herausgeber werden, kein Journalist“.

In seiner Zeit als Spiegel-TV-Chefredakteur habe er viele Filme über das Dritte Reich produziert und zwar in Farbe. „Da rückt alles dichter ran“. Geplant war auch ein neuer Film über Hitler zu machen. „Das ist aber nix geworden“.

Das Thema Drittes Reich hat Aust immer beschäftigt, wie Konrad Heiden, über den Aust das Buch „Hitlers erster Feind – Der Kampf des Konrad Heiden“ geschrieben hat.

Ein Freund, Michael Klofs, hatte Aust ein Buch Heidens geschenkt, welches Aust erst einmal weg gelegt hatte. Doch dann war er so beeindruckt von Heidens Art zu schreiben, von seinem Sarkasmus, dass er das Buch „in einem Rutsch lesen musste“.

Heiden, den Aust vorher nicht gekannt hatte, entpuppte sich als aufregende Entdeckung.

Heiden hat Hitlers Aufstieg journalistisch begleitet und er hat Vieles vorausgesehen und auch richtig interpretiert, wie Aust in seinem hochinteressanten Buch belegt und in Auszügen vorträgt.

Heiden war jüdischer Abstammung, SPD-Mitglied und arbeitete für die Frankfurter Zeitung. Im Exil schrieb er später eine kritische Hitler-Biografie. Er war „nah dran“, könnte man sagen. Hatte wohl auch gute Quellen. Trotzdem habe sich Heiden nicht für Hitler begeistert, sondern immer eine kritische Haltung eingenommen, erklärt Aust.

Stefan Aus liest aus seinem neuen Buch. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Stefan Aust liest aus seinem neuen Buch vor.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

„Er war wohl erschütternd hellseherisch“ meint Schweitzer. „Das nicht, er konnte nur 2 und 2 zusammenzählen“, sagt Aust dazu.

Ob Heiden ein Vorbild für den heutigen Journalisten sein könne? Durchaus ja, meint Aust. Sein Credo sei immer gewesen: „Schreib was ist, schau genau hin mit Distanz, aber der nötigen Nähe“ nach Vorbild Heidens.

Nach diesem Motto ist Aust immer vorgegangen, ob in seiner Berichterstattung zu Baader-Meinhof oder zu dem Agenten Mauss, mit dem er immer noch Kontakt pflegt oder zum NSU-Thema.

Wie hat sich die Presselandschaft verändert? Auch das ein Thema, das zumindest angerissen werden konnte. Überraschend konservativ zeigt sich da der Gast. Man müsse gegen den Mainstream Position beziehen und sich auch gegen die Mehrheit wenden. So habe er in einem Kommentar „Kanzlerin ohne Grenzen“ durchaus auch kritische Position gegen Merkels Flüchtlingspolitik bezogen.

Und Fakenews? Die habe es auch früher schon gegeben. In der DDR-Administration gab es dafür extra eine Abteilung „Desinformation“.
Wichtig sei es, gesicherte Quellen zu haben: „Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich nicht weiß, woher meine Infos kommen“.

„Und was halten Sie von der heutigen Politikergeneration?“ möchte Schweitzer wissen. „Die machen einen harten Job, müssten aber mehr „outspoken“ (freimütig, direkt, offen) sein, so Aust.

Probleme sollen nicht wegdiskutiert werden, wünscht er sich. Das wichtigste Recht einer demokratischen Gesellschaft sei es, eine Regierung abwählen zu können. Er erklärt aber auch offen, sicherlich nicht zur Freude des SPD-Mitglieds Alexander Schweizer, dass sich seiner Meinung nach der „Schulz-Hype verflüchtigt“ habe.

Mit Blick auf Merkels Politik sind sich Aust und Schweitzer dennoch einig: Politiker müssen Fehler zugeben können und ehrlich sagen: „Ich habe die Politik verändert!“ (desa)

Ein kleiner Gruß aus der Südpfalz zum Abschied. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Ein kleiner Gruß aus der Südpfalz zum Abschied.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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